Aufgespießt: Die Mär vom vielen Trinken

Wir sind von Verdurstenden umgeben. Diesen Eindruck muss man gewinnen, wenn man durch die Straßen geht oder in Bussen und Bahnen unterwegs ist. Aus Furcht vor einer Dehydrierung schleppen die Menschen gewaltige Wasserflaschen aus Plastik mit sich herum, die sie in Ermangelung einer passenden Tasche oft wie Babys in den Armen wiegen und aus denen sie fast panikartig immer wieder Flüssigkeit in sich hinein kippen. Was steckt hinter diesem bizarren Verhalten? Die schottische Medizinerin Margaret McCartney vermutet: Es könnte sich um eine raffinierte Werbestrategie der Getränkehersteller handeln.
Im renommierten ?British Medical Journal? fährt McCartney schwere Geschütze auf. Die allgemein akzeptierte Aussage, man müsse 1,5 bis 2 Liter Wasser am Tag trinken, sei ein reiner Mythos. Wissenschaftliche Beweise dafür gebe es nicht. Der französische Lebensmittelkonzern Danone propagiert die Trinkempfehlung in seiner Initiative ?Hydration for Health?, indem er betont, bereits eine schwache Dehydrierung begünstige die Entstehung von Krankheiten wie Schlaganfälle oder Gallensteine ? eine Argumentation, die von vielen Medien und Organisationen übernommen wird.

Was McCartney nachdenklich stimmt: Danone vertreibt selbst Mineralwasser wie Volvic und Evian. Und es sei auch keineswegs bewiesen, betont die Medizinerin, dass ältere Menschen, die oft wenig Durst haben, von einer großen Wasseraufnahme profitieren, wie immer wieder behauptet wird.
Der Artikel im British Medical Journal

wissenschaft.de - Hans Groth


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