Versank Olympia in Fluten?

 Blick nach Westen über das mittlere Kladeos-Tal und den Olympia vorgelagerten Hügelzug. Im Hintergrund links ist das schmale Alpheios-Tal zu erkennen sowie die Küste des Golfs von Kyparissia. (Foto/©: Andreas Vött/JGU)
Blick nach Westen über das mittlere Kladeos-Tal und den Olympia vorgelagerten Hügelzug. Im Hintergrund links ist das schmale Alpheios-Tal zu erkennen sowie die Küste des Golfs von Kyparissia. (Foto/©: Andreas Vött/JGU)
Untersuchungen der Sedimente im griechischen Olympia weisen auf einen verheerenden Tsunami hin, der Mitte des 6. Jahrhunderts nach Christus das Heiligtum des Zeus und den Austragungsort der Olympischen Spiele unter Schlamm und Geröll verschwinden ließ. Andreas Vött vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zufolge ist bei dieser Katastrophe vermutlich eine etwa 30 Meter hohe Welle von der Küste bis in den prominenten Ort geschwappt. Bisher nahm man an, dass ein Erdbeben 551 nach Christus die Kultstätte zerstörte und der angrenzende Fluss Kladeos das Areal erst anschließend überschwemmte.
Tsunamis bedrohen keineswegs nur die Küsten Japans und Südostasiens, betont Vött ? die Riesenwellen haben in den vergangenen Jahrtausenden auch im Mittelmeer heftig zugeschlagen: Tausende Opfer, historische Berichte und Sedimentfunde dokumentieren die Wucht dieser Katastrophen. Der letzte Riesentsunami verwüstete 1908 nach einem Beben in der süditalienischen Straße von Messina die angrenzenden Küstenregionen und forderte etwa 100.000 Menschenleben. Tsunamis sind auch im östlichen Mittelmeer ausgesprochen häufig, denn hier schiebt sich die afrikanische unter die eurasische Platte und löst dadurch immer wieder starke Erdbeben mit darauffolgenden Tsunamis aus. In der südlichen Ägäis wurde beispielsweise 1956 eine 30 Meter hohe Welle verzeichnet. Ein ähnliches Szenario suchte Vött zufolge die griechische Halbinsel Peloponnes im 6. Jahrhundert heim und setzte damit den finalen Schlusspunkt unter die Geschichte des antiken Olympia.

Vött und sein Team haben das Gebiet um die antiken Stätten mit geomorphologischen und geoarchäologischen Methoden erforscht. Wenn ein Erdbeben die Hauptursache für die Zerstörungen gewesen wäre, müssten die umgestürzten Säulentrommeln des Zeustempels direkt aufeinander liegen, sagen die Wissenschaftler. Tatsächlich schwimmen sie aber gleichsam im Sediment. ?Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Ablagerungen, die wir in Olympia gefunden haben, passen auch nicht zu den Eigenschaften des Kladeos - diese Flüsschen kann solche Überschwemmungen nicht verursacht haben", sagt Vött.

Die Sedimente sind offenbar mit hoher Geschwindigkeit und enormer Energie von der Küste an Land transportiert worden und haben Olympia trotz seiner Höhenlage auf circa 33 Meter über dem Meeresspiegel erreicht. Muschelklappen und Schneckengehäuse in den Ablagerungen weisen eindeutig auf einen marinen Ursprung hin, betonen die Wissenschaftler. "Olympia war in früheren Zeiten auch nicht 22 Kilometer vom Meer entfernt wie heute, sondern die Küste lag mindestens acht, vielleicht auch mehr Kilometer weiter landeinwärts", sagt Vött. So könnten die Wassermassen schließlich auch die Hügel um Olympia überstiegen haben.
Mitteilung der Universität Mainz

wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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