Clevere Schwarzröcke

Rabenvögel gelten zu Recht als die Superhirne unter den Vögeln ? das zeigen jetzt kuriose Experimente US-amerikanischer Forscher: Hatten sie beim Fangen und Markieren von Krähen spezielle Masken getragen, sorgten die gleichen Gesichtsbedeckungen noch mindestens fünf Jahre später für Aufregung unter den Tieren. Menschen, die den Vögeln unbekannte Masken trugen, lösten die Angstreaktion dagegen nicht aus. Diese Fähigkeit zur Gesichtserkennung ist allerdings noch deutlich vielschichtiger, wie die Biologen feststellten: Auch Krähen, die nur Beobachter der Fangaktion gewesen waren, zeigten später Angst vor Menschen mit den ?bösen? Masken. Die Vögel sind sogar in der Lage, ihr Wissen an unbeteiligte Tiere weiterzugeben: Ihr Geschrei beim Erscheinen von maskierten Menschen macht die ganze Sippe sensibel für den bestimmten Gesichtsausdruck auf den Gesichtsbedeckungen der Wissenschaftler.
Heather Cornell und ihre Kollegen von der University of Washington in Seattle führten ihre Verhaltensstudie an Corvus brachyrhynchos durch, den amerikanischen Verwandten der europäischen Krähen. An fünf unterschiedlichen Standorten und mit fünf verschiedenen Masken fingen und beringten die Biologen einige Krähen ? eine schmerzlose, gleichwohl aber unangenehme Prozedur für die Vögel. An jedem Standort benutzten sie eine andere Maske beim Einfangen der Vögel, die somit zur jeweils "bösen" Maske avancierte. Später dokumentierten die Biologen dann die Reaktion der Vögel auf alle fünf Masken am jeweiligen Standort. Prinzipiell gilt dabei: Empfinden die Tiere einen Menschen als Bedrohung, beschimpfen sie ihn mit aufgeregten Krächzlauten.

Es zeigte sich, dass die Tiere sich die bösen Masken genau gemerkt hatten und dementsprechend mit wütendem Geschrei reagierten. Zeigten sich die Biologen dagegen ohne oder mit den unbelasteten Masken, blieben die Beschimpfungen aus. Die genauen Auswertungen offenbarten, dass mehr Vögel die Forscher beschimpften, als diese ursprünglich eingefangen hatten. Die Biologen schließen daraus, dass es sich um Zuschauer der Aktion gehandelt haben müsse, die sich die Masken eingeprägt hatten, obwohl sie nicht selbst betroffen gewesen waren.

Bei jedem erneuten Erscheinen der Forscher mit den unerwünschten Masken schrien mehr und mehr Vögel auf sie ein. Darin spiegele sich ein Effekt wider, der als soziales Lernen bezeichnet wird, sagen die Biologen: Unbeteiligte Krähen beobachten die Reaktionen ihrer Artgenossen und lernen ebenfalls, die Masken mit Gefahr zu verbinden. So kann sich eine Information in der ganzen Population ausbreiten, so die Erklärung.
Heather Cornell von der University of Washington in Seattle et al.: ?Proceedings of the Royal Society B?, doi:10.1098/rspb.2011.0957

wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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