Auslese der Woche: Nachrichten aus der Wissenschaft kompakt

Rekord-Frühling ließ Deutschland vertrocknen

Kein Frühjahr seit Beginn der Messungen brachte mehr Sonnenschein und nur der Frühling 2007 war wärmer. Mit im Mittel spärlichen 88 Litern pro Quadratmeter - im Durchschnitt fallen sonst 186 Liter - erlebte Deutschland außerdem den zweittrockensten Frühling seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren. Das erklärte Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD), nach ersten Auswertungen der Ergebnisse der rund 2.000 Messstationen. Während sich viele Menschen über den sommerlichen Frühling freuten, litt vor allem die Landwirtschaft unter der Dürre: Die Erträge an Heu und Gras-Silage waren gering und das Getreide blieb im Wuchs zurück und zeigte Ende Mai deutliche Anzeichen einer Notreife. Im Mai waren die Pegel der meisten deutschen Flüsse so niedrig wie seit etwa 100 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit. ( Pressemitteilung des DWD)

Ausgetrickste Plagegeister

Forscher haben neue "Duftstoffe" identifiziert, die Moskitos verwirren können, damit sie ihr menschliches Opfer nicht mehr finden. Damit soll die Verbreitung von Tropenkrankheiten wie Malaria reduziert werden. An drei Moskito-Arten wurden die Substanzen im Labor und im Feldversuch in Afrika getestet. Die vielversprechenden Duftstoffe: Butanal, es hemmt den Rezeptor, den die Stechmücke für das Erschnüffeln von Kohlendioxid braucht, das ihr Opfer ausatmet. 2-Butanon, eine acetonähnliche Flüssigkeit, soll dagegen die Moskitos vom Menschen weglocken können. Und schließlich Stoffe aus der Gruppe der Butanedione, die offenbar die Kohlendioxidsensoren der Moskitos überreizen und dadurch die Plagegeister verwirren. (Stephanie Lynn Turner et al.: "Nature", doi: 10.1038/nature10081)

Weibliche Vormenschen waren oft Zugezogene

Die Männer der Frühmenschen vor rund zwei Millionen Jahren haben ihr Leben in unmittelbarer Umgebung ihres Geburtsortes verbracht, während die Frauen weit herum kamen. Das folgern Leipziger Forscher aus den Analyseergebnissen von 19 fossilen Zähnen, die aus Höhlen in Südafrika stammen. Sie ermittelten die Strontium-Isotope, die über die Nahrung aus dem Boden in den menschlichen Zahnschmelz gelangen. Zähne, welche die Wissenschaftler männlichen Individuen zuordnen, wiesen Strontium-Isotop-Signaturen des Dolomitgesteins auf, das am Fundort vorkommt. Die meisten Zähne der kleineren, vermutlich weiblichen Individuen, wiesen dagegen einen ortsfremden Fingerabdruck der Strontium-Isotope auf. (Sandi Copeland et al.: "Nature", doi: 10.1038/nature10149)

Pinguine halten sich durch Gruppenrotation warm

Wenn es in der Antarktis so richtig kalt wird, rücken Kaiserpinguine nicht nur eng zusammen, sondern sie wechseln sich auch beim Frieren und Aufwärmen ab. Durch die Kolonie ziehen dazu periodische Wellen nach einem festen Muster, bei denen Tiere von den kalten Randbereichen ins warme Zentrum der Kolonie strömen und umgekehrt. Das konnte ein deutscher Forscher durch Zeitrafferaufnahmen zeigen, denn mit bloßem Auge ist das Gruppenverhalten nicht erkennbar, da die Pinguine nur alle 30-60 Sekunden einen kleinen Schritt machen. (Daniel Zitterbart et al.: "PLoS ONE", doi: 10.1371/journal.pone.0020260)

Abstruse Dokumentation gewinnt die ?Goldenen Himbeere? der Wissenschaft

Die Filmindustrie hat die "Goldenen Himbeere? um schlechte Filme auszuzeichnen, die Wissenschaft hat das ?Goldene Brett vorm Kopf? als Preis für den ultimativen Unsinn. Die Preisverleihung fand am Donnerstag im Naturhistorischen Museum in Wien statt. Die Gesellschaft für Kritisches Denken zeichnete die Dokumentation "Am Anfang war das Licht" als den "herausragendsten Unfug des Jahres 2010" aus. Darin behauptet der Auto P. A. Straubinger, es gäbe Menschen, die auf Essen und Trinken verzichten und sich nur von "feinstofflicher Energie" bzw. "Licht" ernähren könnten. Aufhänger der Geschichte ist der indische Guru Prahlad Jani, der behauptet, seit Jahrzehnten nichts mehr gegessen zu haben. Irrwitzige Erklärungen, von Telekinese über Biophotonen bis hin zur Quantenmystik werden für dieses angebliche Phänomen heran gezerrt. ?In pseudowissenschaftlicher Weise rühre Straubinger aus Interviews mit wissenschaftlichen Außenseitern und Esoterikern einen gefährlichen Brei aus manipulativen Halbwahrheiten an?, so die Begründung der Jury für ihre Entscheidung. Die Veranstalter sehen in ihrem Auszeichnung nicht nur einen Spaß: ?Keine esoterisch-skurrile Verrücktheit ist so unwissenschaftlich, dass sie nicht doch irgendwo jemand glauben würde?, heißt es auf der Homepage des "Goldenen Bretts".
wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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