Bedenklicher Energieträger

In der Nähe von Schiefergas-Förderstätten besitzt Quellwasser einen 17-mal höheren Gehalt an gelöstem Methan als normal. Das brennbare Gas könnte ein Explosionsrisiko darstellen und möglicherweise auch Gesundheitsprobleme durch kontaminiertes Trinkwasser verursachen, warnt ein US-Forscherteam, das die Umwelteffekte der aufwendigen Erdgasgewinnung aus Schiefer- und Sandsteinlagerstätten unter die Lupe genommen hat. Die Ergebnisse stützen bereits zuvor geäußert Zweifel am Nutzen der unkonventionellen Energiequelle, der momentan ein enormes Potential zugesprochen wird, denn in vielen Teilen Europas locken lukrative Lagerstätten.
Während herkömmliches Erdgas üblicherweise in unterirdischen Lagerstätten vorkommt, die man nur anstechen und abzapfen muss, steckt Schiefergas (Shale Gas) in winzigen Poren unterschiedlicher Gesteinsarten. Ohne technische Hilfsmittel entweicht es daraus für eine rentable Gewinnung viel zu langsam. Der Untergrund muss deshalb über dutzende Bohrungen erschlossen werden. Bei diesem sogenannten Fracen wird Wasser vermischt mit Quarzkügelchen und einigen Chemikalien unter Druck in die Bohrlöcher gepresst. Das Gestein bricht dadurch auf und legt gasführende Poren frei. Die Quarzkügelchen sorgen dafür, dass die Spalten sich nicht gleich wieder schließen. In jede Bohrung müssen bis zu 20 Millionen Liter Frac-Flüssigkeit gepumpt werden. Welche Auswirkungen dieses Verfahren auf das Grundwasser hat, wollten Stephen Osborn von der Duke University in Durham und seine Kollegen mit ihrer Studie nun untersuchen.

Sie analysierten dazu 68 Trinkwasser-Proben aus privaten Brunnen nahe Gasförderstätten in den Bundesstaaten Pennsylvania und New York. Die Forscher fanden im Umkreis von etwa einem Kilometer um die Bohrungen 17-mal mehr Methan als üblich. Die chemische Signatur des Gases dokumentierte, dass es von den Bohrungen stammte und nicht aus natürlichen Methanquellen. Als mögliche Ursache für die Verunreinigung vermuten die Wissenschaftler undichte Stellen in den Rohrleitungen des Bohrsystems und Risse im Gestein. Auf diese Weise wandert das gashaltige Wasser in die Brunnen der Umgebung.

Gasförmiges Methan, das dem Wasser an der Oberfläche wieder entweicht und sich sammelt, könnte ein Explosionsrisiko bergen oder auch erstickend auf den Menschen wirken. Die gesundheitlichen Risiken, die darüber hinaus durch den Konsum von methanhaltigem Trinkwasser entstehen, sind bisher noch kaum erforscht. Die Wissenschaftler mahnen deshalb auch in diesem Zusammenhang zur Vorsicht. Sie betonen die Bedeutung von regelmäßigen Wasseruntersuchungen im Umkreis der Förderstätten.
Das Team um Stephen Osborn von der Duke University in Durham und seine Kollegen präsentieren ihre Untersuchungen der Fachzeitschrift "PNAS", doi: 10.1073/pnas.1100682108.

wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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