Doppelt so viele Besucher wie erwartet

 Rotortypen: Bei diesem Exponat hat der Besucher die Möglichkeit, mittels eines Gebläses selbst für den nötigen Wind zu sorgen, und so verschiedene Rotoren in Bewegung zu setzen. Foto: experimenta
Rotortypen: Bei diesem Exponat hat der Besucher die Möglichkeit, mittels eines Gebläses selbst für den nötigen Wind zu sorgen, und so verschiedene Rotoren in Bewegung zu setzen. Foto: experimenta
Im November 2009 ging das größte Science Center Süddeutschlands in Betrieb. bild der wissenschaft berichtete in einem 36-seitigen Sonderheft ?Entdecke dein Talent? darüber. Wir hakten beim Geschäftsführer Wolfgang Hansch und beim Leiter der Ausstellungsentwicklung, Christian Sichau, nach, wie sich die experimenta entwickelt.
Welches Fazit ziehen Sie aus den ersten 500 Tagen des Science Centers experimenta in Heilbronn?
Wolfgang Hansch: Im ersten Betriebsjahr kamen über 200.000 Besucher, also gut 100.000 mehr, als wir beim Start erhofft hatten. Auch im zweiten Jahr kann sich der Besucherandrang sehen lassen. In den ersten fünf Monaten zählten wir bereits über 75.000 Besucher. An manchen Sonntagen mit Familienprogramm mussten wir zu Ferienzeiten den Einlass zeitweilig beschränken. Und vor den Ferien ist der Zustrom an Schulklassen gewöhnlich sehr hoch. Unsere drei Angebotsbausteine Ausstellung, Akademie junger Forscher und die Talentschmieden werden hervorragend angenommen. Überrascht hat uns auch: Es kommen nicht nur vorwiegend Kinder und Jugendliche, sondern die experimenta ist ein echter Familientreffpunkt. Wir sind ein Mehrgenerationenhaus geworden.

Für die elektronische Auswertung der einzelnen Bausteine der Talentschmiede sollen Geschlecht und Alter angegeben werden. Werten Sie die Daten aus?
Christian Sichau: Mit der Auswertung haben wir soeben begonnen. Ein erstes Ergebnis ist zum Beispiel, dass die Computerabfragestationen ähnlich gut frequentiert sind wie die Stationen, an denen man seine Geschicklichkeit auswerten lassen kann. Bestätigt hat sich auch die von uns erhoffte Dauer des Besuchs. Von der ersten Station der Talentexponate bis zur endgültigen Auswertung vergehen in der Regel zwei bis drei Stunden.

Wird Ihre Bildungseinrichtung wissenschaftlich begleitet?
Hansch: Unsere Bildungsangebote werden von außen evaluiert. Von Beginn an haben wir eine Kooperation mit dem Institut für Neurowissenschaften und Lernen der Universität Ulm, die dazu beitrug, unsere Talentschmieden mit einem pädagogisch-didaktischen Konzept zu hinterlegen. Weiterhin kooperieren wir mit der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, die jetzt unsere Labore im Hinblick auf Fragestellungen untersuchen wird wie: Was kommt bei den Schülern wie an, wie funktioniert das Lernen in unseren Laboren? Daneben gibt es ein Promotionsvorhaben, das sich damit beschäftigen soll, wie Erwachsene in der experimenta lernen, sowie Masterarbeiten mit dem Thema: Wie können neue Medien zur Vermittlung unserer Inhalte eingesetzt werden.

Halten die rund 150 Exponate dem Besucheransturm stand?
Sichau: Wir haben ein halbes Jahr gebraucht, um Kinderkrankheiten der Exponate in den Griff zu bekommen und unser technisches Team darauf einzustellen. Unser Ziel war es, dass nie mehr als fünf Prozent der Exponate gleichzeitig ausfallen dürfen. Da liegen wir inzwischen deutlich drunter. Mutwillige Beschädigungen gibt es bei der experimenta ? im Gegensatz zu anderen Science Centern ? nur ganz, ganz selten.

Wie reagiert das Management auf abrupte gesellschaftliche Weichenstellungen? Seit Fukushima will hierzulande niemand mehr etwas über Kernkraftwerke wissen.
Hansch: Damit haben wir kein Problem. 80 bis 90 Prozent unserer Energie-Etage sind durch regenerative Energien geprägt. Überdies: Welche Reaktionen in einem Kernreaktor ablaufen, ist in erster Linie ein physikalisches Experiment ? und gehört zum Wissen über Energieerzeugungs- Technologien auch weiterhin dazu. Die politische Bedeutung der verschiedenen Technologien ist in der Ausstellung derzeit nicht unser Thema, sondern wird beispielsweise in Vorträgen diskutiert.

Bis zum 4. September präsentiert die experimenta die Sonderausstellung ?Geheimnisse der Elektrizität?, die von der cité des sciences & de l?industrie, Paris, erschaffen wurde. Braucht ein Science Center ständige Sonderausstellungen?
Sichau: In Deutschland gehören wir zu den wenigen Science Centern, die über die Fläche verfügen, um größere Sonderausstellung präsentieren zu können. Für uns ist es wichtig, die vier ständig präsentierten Themenbereiche zu ergänzen ? thematisch wie auch altersspezifisch. Deshalb kooperieren wir mit internationalen Partnern ? auch um zu sehen: Wie setzen die ein Thema um? Unser Ziel sind zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr.

Entwickeln Sie selbst Sonderausstellungen?
Sichau: Unsere erste selbstentwickelte Sonderausstellung zeigen wir auf 600 Quadratmetern ab 29. September über das Thema ?Zeit?. Dabei wird es um Aspekte gehen wie die Zeitmessung, die Entwicklung des Kosmos und des Menschen oder wie wir Menschen Zeit wahrnehmen. Themen, die sicherlich jeden Besucher berühren.
experimenta Heilbronn,
geöffnet montags bis freitags 9 bis 18 Uhr samstags, sonntags und feiertags 10 bis 19 Uhr, Eintrittspreise: Kinder 5 ?, Erwachsene 9 ?, Familienkarte 25 ?
Infos unter www.experimenta-heilbronn.de

wissenschaft.de ? Wolfgang Hess


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