Kampf dem Vergessen

US-Wissenschaftler haben mit einer Gen-Therapie die Entwicklung von Alzheimer bei Mäusen gestoppt. Sie schleusten dazu eine Erbinformation in das Gehirn der Versuchstiere ein, um die Produktion eines Eiweißes zu erhöhen, das als Müllabfuhr in den Nervenzellen dient. Dieses sogenannte Parkin entsorgt dabei die Beta-Amyloid-Proteine, die sich bei Alzheimer in sogenannten Plaques im Gehirn ablagern und dadurch seine Funktion stören. Mit ihrer Methode verhinderten die Forscher die Anhäufung dieser schädlichen Eiweißklumpen bei Mäusen, die eine Veranlagung für Alzheimer tragen. Den Forschern zufolge könnte so auch beim Menschen die Bildung der Plaques unterdrückt werden.
Frühere Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass bei der Alzheimererkrankung nicht die Überproduktion der verantwortlichen Beta-Amyloid-Proteine zu der Demenzerkrankung führt, sondern die unzureichende Beseitigung. Es hatte sich auch gezeigt, dass dabei das Parkin-Gen eine wichtige Rolle spielt: Es bildet ein Eiweiß, das maßgeblich am Abbau der Beta-Amyloid-Proteine beteiligt ist. Entsprechend tragen Menschen, die eine Mutation im Parkin-Gen aufweisen, auch ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Alzheimer.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher eine Maus-Zuchtlinie, die extra für die Alzheimerforschung entwickelt worden ist. Im Gehirn der Tiere bilden sich schon nach sechs Monaten die alzheimertypischen Plaques. Bei ihnen reicht die natürliche Produktion von Parkin nicht aus, um eine genügende Entsorgung der Beta-Amyloid-Proteine zu gewährleisten. Bei diesen Mäusen schleusten die Wissenschaftler nun zusätzliche Parkin-Gene mit einer raffinierten Methode ins Gehirn: Ein spezieller Virus überträgt die Erbinformation in die Zellen der Mäuse. Dadurch bilden die Nerven verstärkt das entsprechende Eiweiß.

So erreichten die Forscher ihren Analysen zufolge eine um 50 Prozent höhere Versorgung mit Parkin in den Nervenzellen. Das Resultat der dadurch verstärkten Aktivität der Eiweiß-Müllabfuhr, war eine um 75 Prozent geringere Anhäufung von Plaques im Gehirn der behandelten Mäuse im Vergleich zu ihren Kollegen ohne diese Gen-Therapie. Damit war weitestgehend eine normale Funktion der Nerven gewährleistet, sagen die Wissenschaftler.
Sie hoffen nun, dass diese Therapie auch bald Menschen mit Alzheimer helfen kann. Das Ziel wird dabei sein, die Behandlung so früh wie möglich einzusetzen: "Unsere Hoffnung ist es, den gesamten Prozess frühzeitig zu stoppen", sagt Charbel E-H Moussa. Falls die Alzheimer-Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium erfolge, könne aber zumindest möglicherweise noch die weitere Anhäufung von Plaques verhindert werden.
Charbel E-H Moussa (Georgetown University Medical Center, Washington D.C.) et al: Human Molecular Genetics, Bd. 20, Vol. 7

dapd/wissenschaft.de - Martin Vieweg


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