Wie man über Fehlentscheidungen hinweg kommt

Kanadische Forscher haben ein einfaches Rezept gefunden, mit dem sich das Bedauern nach Fehlentscheidungen bekämpfen lässt: Die Menschen sollen sich ganz schlicht mit anderen vergleichen, denen es noch schlechter geht, empfehlen sie. Das klingt zwar hart, scheint aber zu helfen, wie das Team um die Psychologin Isabelle Bauer von der Concordia-Universität im kanadischen Montreal zeigen konnten. Nach falschen Entscheidungen, verpassten Gelegenheiten oder Fehltritten in ihrem Leben könnten Menschen sehr viel besser mit Gefühlen wie Reue und Bedauern umgehen, wenn sie erkennen, dass sie damit nicht alleine seien. Der Trost liege darin, dass auch andere solche Fehltritte hinter sich haben, und es denen mitunter noch schlechter gehe, berichten die Forscher.
Nach falschen Lebensentscheidungen stellen sich häufig Gefühle wie Reue oder Bedauern ein, die einen Menschen dauerhaft belasten können. Die Forscher wollten nun herausfinden, wie Menschen mit diesen Gefühlen umgehen und mit welchen Strategien sich die Stimmung aufhellen lässt. Zunächst befragten sie dazu rund hundert Erwachsene nach deren Erfahrungen mit persönlichen Fehlentscheidungen, verpassten Gelegenheiten und empfundenen Defiziten. Das Spektrum der Dinge, die die Probanden dabei anführten, reichte von "zu wenig Zeit für die Familie" bis hin zu "mit dem falschen Partner verheiratet".

Die Testpersonen sollten sich dann mit ihren Altersgenossen vergleichen: In einem Fragebogen wurden sie gebeten, abschätzen, ob die Menschen in ihrem Umfeld und ihre Altersgenossen im Allgemeinen eher mit schwer wiegenderen oder mit weniger heftigen Problemen zu kämpfen hätten als sie selbst. Als letztes ließen die Wissenschaftler die Teilnehmer noch angeben, wie sie selbst ihren emotionalen Zustand im Lauf des vorangegangenen Jahres bewerteten und wie er während der letzten zwei Monate war. Aus dem Vergleich der Einschätzungen wollten die Psychologen ein Maß dafür ableiten, wie gut der jeweilige Proband mit seinen Problemen fertig geworden war. Ging es ihm beispielsweise vor einem Jahr noch relativ schlecht, vor zwei Monaten jedoch bereits ganz gut, hatte er offensichtlich eine effektive Möglichkeit der Kompensation seiner Schwierigkeiten gefunden.

Hatten die Probanden das Gefühl, anderen um sie herum gehe es schlechter als ihnen selbst, verloren die eigenen negativen Gefühle und Defizite im Lauf der Zeit an emotionalem Gewicht, zeigte die Auswertung. So gaben die Testteilnehmer, die die Probleme anderer als schwerwiegender bewerteten als ihre eigenen, auch wesentlich häufiger an, dass sie sich in den vorangegangenen zwei Monaten besser gefühlt hätten als ein Jahr zuvor. Offenbar ist ein unbewusster Vergleich mit einer benachteiligten Gruppe demnach eine gute Kompensationsstrategie für die eigenen Schwierigkeiten, folgern die Forscher.

"Spannenderweise verbessert dieser Vergleich mit schlechter Gestellten nicht nur das Wohlbefinden, sondern beugt auch gesundheitlichen Problemen vor", sagt Carsten Wrosch, Psychologe an der Concordia-Universität und Mitautor der Studie. Probanden, die mit dieser Strategie ihre Reuegefühle in den Griff bekamen, waren weniger anfällig für Erkältungskrankheiten, ermittelten die Forscher in einem zweiten Teil der Studie. Wrosch begründet das so: "Der emotionale Stress durch Reuegefühle kann Hormonhaushalt und Immunsystem aus dem Takt bringen und Folgeerkrankungen begünstigen."
Isabelle Bauer und Carsten Wrosch (Concordia-Universität, Kanada): Personality and Social Psychology Bulletin, Bd. 37, Nr. 2, doi: 10.1177/0146167210393256

dapd/wissenschaft.de - Martin Schäfer


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