Blind für Wut und Trauer

Wer Drogen nimmt, kann die Emotionen im Gesicht seines Gegenübers schlechter deuten. Das trifft vor allem dann zu, wenn es sich um negative Gefühle wie Zorn, Trauer oder Angst handelt, hat ein spanisches Forscherteam herausgefunden. Je intensiver der Drogenkonsum der Probanden dabei in der Vergangenheit war, desto schwieriger war es für sie, die Emotionen richtig zu deuten. Zudem beeinträchtigt der regelmäßige Missbrauch von Alkohol, Cannabis, Amphetaminen und Kokain auch noch andere kognitiven Fähigkeiten: Die Drogen schlagen aufs Gedächtnis und stören die Verarbeitung von Gefühlen sowie die Entscheidungsfindung.
Schon Neugeborene haben eine Vorliebe für Gesichter - sie lernen recht schnell, diese voneinander zu unterscheiden und Emotionen darin zu erkennen. Denn sowohl die Gesichtserkennung als auch die richtige Einschätzung von Emotionen bei anderen sind für das menschliche Miteinander von grundlegender Bedeutung. Zuständig für die Wahrnehmung von Emotionen sind dabei Hirnregionen, die durch Drogen wie Kokain in Mitleidenschaft gezogen werden, erläutern die Forscher um Maria José Fernandez-Serrano.

Sie konnten in mehreren Studien belegen, dass Drogenkonsum es tatsächlich erschwert, die Gefühle anderer zu erfassen. So sollten Drogenabhängige, die mindestens 15 Tage abstinent waren, beispielsweise auf Portraitfotos erkennen, welche Emotionen die abgebildeten Gesichter ausdrückten. Abgebildet waren sowohl positive als auch negative Gefühlszustände wie Freude, Überraschung, Wut, Angst, Ekel und Trauer. Dabei hatten vor allem Probanden mit Erfahrung mit verschiedenen Drogen größere Probleme, die negativen Emotionen in den Gesichtern zu erkennen, als die Probanden der Kontrollgruppe. Als es dagegen darum ging, positive Emotionen wie Freude und Überraschung zu deuten, schnitten die Drogenabhängigen genauso gut ab wie die anderen Teilnehmer.

In einer weiteren Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich der Drogenkonsum allgemein auf die kognitiven Fähigkeiten von Süchtigen auswirkte, die sich in einer medizinischen Rehabilitation befanden. Dazu rekrutierten sie insgesamt 190 Studienteilnehmer, von denen 123 drogenabhängig waren und in der Vergangenheit unterschiedliche Suchtstoffe zu sich genommen hatten. Die restlichen 67 Probanden waren nicht süchtig und dienten als Kontrolle. Die Forscher untersuchten in unterschiedlichen Tests, wie es bei den einzelnen um die kognitiven Fähigkeiten bestellt war. Das Ergebnis: Bei 70 Prozent der Drogenabhängigen zeigten sich deutliche Spuren neuropsychologischer Beeinträchtigungen. Dabei gab es überraschenderweise ein generelles Muster, das unabhängig davon auftrat, ob die Studienteilnehmer Alkohol, Cannabis, Amphetamine wie Ecstasy oder Kokain zu sich genommen hatten, sagen die Forscher: Bei allen waren sowohl das Gedächtnis wie auch die Verarbeitung von Gefühlen und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt.

Zusätzlich hatten die Probanden allerdings auch noch individuelle Probleme, die von der Art des konsumierten Drogencocktails sowie der Dauer des Konsums bestimmt wurden. Studienleiterin Fernandez-Serrano betont daher, dass es nötig sei, spezielle Rehabilitationsprogramme zu entwickeln, die auf die verschiedenen neuropsychologischen Profile der Patienten abgestimmt sind.
Mitteilung der Universität Granada

dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede


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