Prionen auf der Spur

Blutspenden könnten in Zukunft routinemäßig auf Prionen - die Erreger der BSE-ähnlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) - untersucht werden. Ein wichtiger Schritt dorthin ist jetzt britischen Forscher gelungen: Sie haben einen Test entwickelt, der mit einer hohen Empfindlichkeit Prionen in Blutproben aufspüren kann. Die Wissenschaftler wollen so das Risiko einer Infektion mit CJK bei Operationen oder Bluttransfusionen eindämmen. Die Erreger der Gehirnerkrankung können nach aktuellem Wissensstand nämlich möglicherweise Jahrzehnte lang unbemerkt im menschlichen Körper überdauern, ohne die Krankheit auszulösen. Experten schätzen, dass dies in Großbritannien bei einem von 4.000 Menschen der Fall ist. Ursache dafür ist die BSE-Epidemie, die in den späten 1980er-Jahren bei Rindern auf der Insel grassierte und deren Erreger beim Menschen eine Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen können. Durch den Verzehr des verseuchten Fleisches könnten viele Briten daher sozusagen zu lebenden Zeitbomben geworden sein - insbesondere dann, wenn sie Blut spenden, schreiben John Collinge und seine Kollegen.
Bei den Prionen, die die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verursachen, handelt es sich um Eiweiße, die ungewöhnlich gefaltet sind. Diese Proteine zwingen im Gehirn der Betroffenen ihre krankhafte Struktur auch normalen, körpereigenen Prion-Proteinen auf. Es kommt zu Verklumpungen, Nervenzellen werden abgetötet, das Gehirn degeneriert und gleicht schließlich einem durchlöcherten Schwamm. Die Krankheit kommt in zwei Varianten vor: der spontan auftretenden sporadischen Form, von der völlig unklar ist, was sie eigentlich auslöst, und der sogenannten neuen Variante vCJK, die durch den BSE-Erreger hervorgerufen wird. Beide Formen enden immer tödlich, eine Heilung ist bisher nicht möglich. Das Problem: Im Blut der Patienten sind nur winzige Mengen der infektiösen Prionen vorhanden, die man mit bisherigen Methoden - auch wenn sie sehr aufwendig und teuer sind - nur sehr schwer oder gar nicht aufspüren kann.

Der Prototyp des Tests, den Collinge jetzt mit seinem Team entwickelt hat, kann eben diese winzigen Mengen nachweisen. In ersten Versuchen erwies sich das Verfahren als erstaunlich zuverlässig. Die Forscher hatten dazu Blutproben von insgesamt 190 Personen getestet - 21 vCJK-Patienten, 27 Patienten mit der sporadischen CJK-Form, 42 an anderen neurologischen Krankheiten leidenden Patienten und 100 gesunden Kontrollpersonen. Bei 15 der Proben erhielten sie ein positives Ergebnis, und diese Proben stammten allesamt von den vCJK-Patienten. Die Trefferquote liegt demnach zwar aktuell nur bei etwas über 71 Prozent, die Ausfallrate betrug jedoch null Prozent, das heißt, es gab keine einzige Probe, die fälschlicherweise als prionenbelastet identifiziert wurde.

Die Wissenschaftler räumen ein, dass die Methode durch weitere Forschungen noch verfeinert werden muss. Dennoch bezeichnet Collinge die ersten Ergebnisse als Durchbruch: "Wir haben eine Möglichkeit aufgezeigt, infektiöse Prionen im Blut relativ einfach nachzuweisen." Er setzt sich dafür sein, in Zukunft den "serienreifen" Test grundsätzlich bei allen Blutspendern einzusetzen, um ungewollte Ansteckungen mit CJK zu verhindern. Außerdem könne er dazu dienen, festzustellen, wie viele Menschen tatsächlich bereits die Prionen in sich tragen, ohne dass sie es wissen, weil die Krankheit noch nicht aktiv ist, ergänzt er.
John Collinge (University College London) et al: Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(10)62308-2

dapd/wissenschaft.de - Hans Groth


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