Passivrauchen macht Druck

Die Kinder von Rauchern leiden schon im Kindergartenalter überdurchschnittlich häufig unter erhöhtem Blutdruck. Das fand ein deutsches Forscherteam in einer breitangelegten Studie mit über 4.000 Kindergartenkindern heraus. Bluthochdruck ist demnach nicht nur erblich bedingt und wird durch überflüssige Pfunde begünstigt, sondern tritt auch bei normalgewichtigen Kindern auf, deren Eltern rauchen. Damit sei zum ersten Mal ein Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Bluthochdruck bei Kindern nachgewiesen, betonen die Forscher um Giacomo Simonetti vom Uniklinikum in Bern.
Bluthochdruck erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Weichen dafür können offenbar sehr früh gestellt werden: Laut mehrerer Studien leiden Menschen, die schon als Kind Bluthochdruck hatten, auch noch als Erwachsene darunter. Trotzdem ist bisher wenig darüber bekannt, wie genetische, pränatale und soziale Faktoren den kindlichen Blutdruck beeinflussen. Dem sind jetzt die Forscher um Simonetti nachgegangen: Sie haben den Blutdruck von 4.236 Kindergartenkindern im Alter zwischen vier und sieben Jahren aus der Rhein-Neckar-Region gemessen und deren Eltern zu möglichen Einflussfaktoren befragt. Unter anderem wollten die Ärzte wissen, wie viel die Eltern wiegen und ob eines der Elternteile selbst Bluthochdruck hat. Außerdem fragten die Forscher danach, ob und wie viele Zigaretten die Mütter und Väter rauchen.

Wie erwartet ist es vor allem das Gewicht der Kleinen, das bestimmt, wie stark das Blut auf die Gefäße drückt: Dicke Kinder neigen eher zu Bluthochdruck als normalgewichtige. Der Blutdruck der Eltern spielt ebenfalls eine Rolle: Litten Vater oder Mutter unter einem erhöhten Blutdruck, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der Nachwuchs davon betroffen war. Die Studie zeigte zudem, dass 28,5 Prozent der Väter und 20,7 Prozent der Mütter rauchten. Insgesamt konsumierte in 33,4 Prozent aller Familien mindestens eines der Elternteile Zigaretten, und in 11,9 Prozent aller Fälle waren sogar beide Eltern Raucher.

Der Qualm hinterließ deutliche Spuren bei den Kleinen: Kinder, in deren Familie mindestens ein Elternteil rauchte, hatten ein 21 Prozent höheren Risiko für Bluthochdruck als der Nachwuchs aus Nichtraucherfamilien. Vor allem Kinder, deren Mütter rauchten, zeigten zu hohe Blutdruckwerte. Den Grund dafür vermuten die Forscher darin, dass viele Väter arbeiten gehen und hauptsächlich außerhalb der Wohnung rauchen. Die Mütter dagegen paffen meist zu Hause - nicht selten im Beisein der Kleinen. Die Studie zeigte außerdem, dass sich auch der Zigarettenkonsum während der Schwangerschaft auf die Gesundheit des Kindes auswirkt: Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten, litten ebenfalls häufiger unter Bluthochdruck - genauso wie die Kinder, deren Mütter während der neun Monate selbst unter Bluthochdruck gelitten hatten.

Der Zigarettenqualm, dem die Eltern ihre Kinder aussetzen, sei nicht nur für die Lunge der Kleinen schädlich, sondern auch ein Risiko für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems, betont Studienleiter Simonetti. Man könne demnach schon im Kindesalter Schlaganfällen und Herzinfarkten zumindest zum Teil vorbeugen, wenn man vermeidbare Risikofaktoren wie eben das Passivrauchen so früh wie möglich ausschaltet.
Giacomo Simonetti (Inselspital Bern) et al.: Circulation: Journal of the American Heart Association, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.110.958769

dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Der italienische Ökologe und Insektenforscher Gianumberto Accinelli erklärt Dominoeffekte in der Natur kindgerecht und mit einer Prise Humor. Sein Sachbuch ist Wissensbuch des Jahres 2017 in der Kategorie Perspektive.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe