Leben im Plaque

Infektionen spielen möglicherweise eine größere Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als bisher angenommen: US-amerikanischen Forschern von der Columbia-Universität ist es jetzt erstmals gelungen, aus den Ablagerungen verkalkter Gefäße lebende Bakterien zu isolieren. Solche sogenannten arteriosklerotischen Veränderungen können zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen und sind damit die Haupttodesursache in vielen Industrienationen. Bei den Bakterien handelt es um die Art Enterobacter hormaechei, die häufig bei Lungenentzündungen und Blutvergiftungen gefunden wird. Die aus dem Gewebe eines 78-jährigen Herzinfarktpatienten isolierten Erreger waren gegen verschiedene Antibiotika resistent, berichtet das Team um Emil Kozarov.
Bei der Arteriosklerose - wie die Gefäßverkalkung medizinisch genannt wird - sind die Schlagadern durch Ablagerungen verengt und verhärtet. Wenn sich die Gefäße verschließen, kann es zu lebensbedrohlichen Unterversorgungen von Herz oder Gehirn kommen. Unbestritten ist, dass Entzündungen eine wichtige Rolle bei der Gefäßverkalkung spielen. Zwar gab es auch bereits Hinweise darauf, dass Infektionen mit an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind, aber bisher war es Wissenschaftlern nicht gelungen, klare Beweise dafür zu finden. Es kann daher gut sein, dass die Rolle der Infektionen bei der Entstehung der Krankheit unterschätzt wird, so die Forscher.

Die jetzt aus den Ablagerungen isolierten, stäbchenförmigen Bakterien waren gegen verschiedene Antibiotika wie Ampicillin, Cefazolin und Erythromycin resistent und daher schlecht zu behandeln. Zudem konnten die Forscher in Laborversuchen zeigen, dass die Bakterien die Fähigkeit haben, in bestimmten Blutzellen, den Fresszellen oder Phagozyten, zu überleben. Während andere Erreger von den Fresszellen aufgenommen und zerstört werden, können die aus den Gefäßablagerungen isolierten Bakterien in diesen Zellen überleben. Die Forscher glauben daher, dass Mikroben die Fresszellen als eine Art trojanisches Pferd benutzen und sich mit diesen vom Abwehrsystem unerkannt über den Blutkreislauf im Körper verteilen.

Sollte sich das bestätigen, hätte das schwerwiegende Folgen - sowohl für die Betroffenen als auch für die, die nach Therapien gegen die Bakterien suchen, denn die Mikroorganismen könnten auf diese Weise vielen Stellen des Körpers die entzündlichen Gefäßverkalkungen verursachen und wären zugleich vor Antibiotika geschützt. Daher hält es Kozarov für extrem wichtig, die Rolle der Bakterien bei der Arteriosklerose in weiteren Studien genauer zu untersuchen.
Emil Kozarov (Columbia University, New York) et al.: Journal of Atherosclerosis and Thrombosis, Kennnummer JST.JSTAGE/jat/5207

dapd/wissenschaft.de ? Marianne Diehl


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