Deo - auch wenn es gar nicht muffeln kann

Schweißtreibende Hitze oder intensiver Sport: Wer sich da nicht mit einem Deodorant gewappnet hat, fängt schnell an zu miefen. Doch offenbar nicht jeder: Es gibt Menschen mit einer genetischen Veranlagung, die Schweißgeruch unter den Achseln verhindert. Britischen Forschern zufolge scheinen sich darüber einige bewusst zu sein und benutzen keine Deodorants, doch erstaunlicherweise greifen drei Viertel der „Geruchlosen“ zum Spray.
Bekannt ist, dass eine bestimmte Version der Erbanlage namens ABCC11 dazu führt, dass die Träger keinen typischen Schweißgeruch entwickeln. Denn bei ihnen bilden sich beim bakteriellen Abbau der im Schweiß enthaltenen Substanzen keine Geruchsstoffe. Bei Menschen mit der üblichen Genvariante von ABCC11 erzeugen Hautbakterien dagegen Abbauprodukte aus dem Schweißsekret, die den unbeliebten Geruch hervorrufen. Genau an diesem Punkt setzen Deodorants an: Sie enthalten Wirkstoffe, die das Bakterienwachstum hemmen.

Santiago Rodriguez von der University of Bristol und seine Kollegen sind bei ihren Analysen nun der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem „Geruchlos-Gen“ und dem Gebrauch von Deodorants gibt. Dazu werteten sie eine bereits vorhandene Datenerhebung aus, die sowohl Befragungsergebnisse über den Gebrauch von Deos umfasste als auch genetische Informationen von rund 6.500 britischen Frauen.

Kampf gegen nicht vorhandenen Schweißgeruch

Die Auswertung ergab, dass 117 Frauen der Stichprobe, also etwa zwei Prozent, die Genvariante besitzen, die Schweißgeruch verhindert. Doch nur ein Viertel von ihnen verzichtete auf ein Deo, zeigte die Befragung. Bei Frauen mit dem „Schweißgeruch-Gen“ benutzen etwa fünf Prozent kein Deo. Einige Frauen haben also offenbar durchaus ein Gefühl dafür, dass sie kein Deo benötigen. Der hohe Prozentsatz an Frauen, die nicht vorhandenen Schweißgeruch bekämpfen, sei allerdings erstaunlich, betonen die Forscher.

Vermutlich wird bei ihnen die Selbstwahrnehmung von gesellschaftlichen Normen überdeckt, meinen Santiago Rodriguez und seine Kollegen. Es scheint demnach soziokulturell bestimmt zu sein, ob Menschen Deos benutzen und hat nichts mit dem tatsächlich zu vermeidenden Schweißgeruch zu tun.

Ein Hinweis darauf, ob man in Gefahr ist, nach Schweiß zu riechen, können übrigens die Ohren geben, berichten die Forscher. Meist hätten die Menschen mit dem Geruchlos-Gen nämlich auch trockenes Ohrenschmalz und nicht so schmieriges wie die Muffel-Typen.
Santiago Rodriguez (University of Bristol) et al.:
Journal of Investigative Dermatology, doi:10.1038/jid.2012.480

© wissenschaft.de – Martin Vieweg


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