Fruchtzucker trickst Appetitzentrum aus

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Fructose gilt als gesund und natürlich - ist dieser Fruchtzucker doch vor allem in Früchten wie Äpfeln, Birnen, aber auch in Honig enthalten. Doch die vermeintlich so gesunde Süße hat eine Schattenseite: Sie löst Hunger auf mehr aus, statt satt zu machen. Der Grund dafür: Unser Gehirn reagiert zwar auf Glucose, nicht aber auf die Fructose. Das hat jetzt eine Studie US-amerikanischer Forscher gezeigt. Obwohl wir reichlich Energie in Form des Fruchtzuckers zu uns nehmen, bleibt unser Appetitzentrum unverändert aktiv - und wir essen einfach weiter.
Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass die immer größere Zahl der Übergewichtigen bei uns und in anderen Industrieländern mit einer zunehmende Aufnahme von Fructose zusammenhängen könnte. Denn immer mehr Lebensmittel - vom Ketchup über Babynahrung und Limonaden bis zu Fertiggerichten - werden heute nicht mehr mit Haushaltszucker aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gesüßt, sondern mit Fruchtzucker, beispielweise aus Maissirup. Weil dieser eine stärkere Süßkraft hat als Rübenzucker und sich besser transportieren lässt, ist das für die Hersteller schlicht billiger. Aber auch uns Kunden freute dies bisher, glaubten wir doch, eine besondere gesunde Form der Süße zu uns zu nehmen.

Inzwischen mehren sich jedoch die Indizien dafür, dass dies leider nicht stimmt: "Mehrere Studien haben bereits darauf hingedeutet, dass Fructose Übergewicht und Diabetes fördern kann", erklären Kathleen Page von der Yale University in New Haven und ihre Kollegen im Fachmagazin "JAMA". So fraßen beispielsweise Ratten, die mit Fruchtzucker gefüttert wurden, mehr als ihre Artgenossen, die Glucose erhielten. Worauf dieser Effekt zurückgeht, haben die Forscher nun mit Hilfe von Hirnscans aufgeklärt.

Nach dem Süßgetränk in die Röhre

Für die Studie nahmen 20 Versuchspersonen zunächst ein Getränk zu sich, das entweder Fructose oder aber die gleiche Menge Glucose enthielt. Weder die Probanden noch die auswertenden Forscher wussten dabei, um welches Getränk es sich jeweils handelte. Dann analysierten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Teilnehmer mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Sie bildet den Blutfluss in verschiedenen Hirnregionen ab und erlaubt damit Rückschlüsse, wie aktiv diese Regionen gerade sind.

Das Ergebnis: "Bei den Probanden, die Traubezucker erhalten hatten, war die Durchblutung im Hypothalamus, in der Insula und im Striatum deutlich verringert", berichten Page und ihre Kollegen. Diese Hirnregionen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Hungergefühls und für unser körpereigenes Belohnungssystem - dem Schaltkreis, der uns das wohlige Gefühl des Genusses und der Befriedigung verschafft. Sind sie weniger stark durchblutet und damit weniger aktiv, fühlen wir uns satt und unser Appetit wird gehemmt. Doch genau dieser Effekt wird bei Fruchtzucker nicht ausgelöst, wie die Untersuchung zeigte.

Gleichzeitig fanden die Forscher deutlich weniger Insulin im Blut der Probanden, nachdem diese Fruchtzucker zu sich genommen hatten als nach Glucose. Der Botenstoff Insulin aber regelt nicht nur unseren Blutzuckerspiegel, er wirkt gleichzeitig auch als Sättigungshormon. Auch in dieser Hinsicht trickst der Fruchtzucker daher offenbar unsere normalen Hungerbremsen aus.

In einem begleitenden Kommentar konstatieren Jonathan Purnell und Damien Fair von der Oregon Health & Science University in Portland dazu: "Diese Ergebnisse stützen die Vermutung, dass die zunehmende Verwendung von Fructose in Lebensmitteln übermäßiges Essen und damit auch Übergewicht fördert." Der Fruchtzucker verändere die neurobiologische Schaltkreise für die Appetitregulation und beeinflusse so unsere Ernährungsgewohnheiten.
Kathleen Page (Yale University) et al.: JAMA, 2013;309(1):63-70


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