Durch Papa veranlagt

Väter beeinflussen durch eine eiweißarme Ernährung nicht nur den eigenen Stoffwechsel, sondern auch den der folgenden Generation. Das schließen US-amerikanische Forscher aus Ergebnissen einer Studie an Mäusen. Werden Mäusemännchen eiweißarm gefüttert, erbt der Nachwuchs demnach Veranlagungen, die den Fettstoffwechsel anders regulieren als bei Vergleichstieren. Es handelt sich den Forschern zufolge um einen sogenannten epigenetischen Effekt: Abhängig von den Lebensumständen und Ernährungsgewohnheiten werden an die Erbsubstanz Kontrollmoleküle angelagert, die deren Funktion dauerhaft beeinflussen. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass solche Effekte auch nachfolgende Generationen beeinflussen können. Die aktuelle Studie liefert nun einen neuen Beleg für diesen mysteriösen Vererbungsweg, schreiben Wissenschaftler um Oliver Rando von der University of Massachusetts Medical School in Worcester.
Dass eine falsche Ernährungsweise der Mutter den Stoffwechsel und das Gewicht der Kinder beeinflussen kann, wussten Wissenschaftler bereits. Bekannt war außerdem, dass auch das Essverhalten des Vaters eine Wirkung auf die Gesundheit des Nachwuchses hat - wenn auch bisher wenig erforscht: Eine Tierstudie hatte bisher gezeigt, dass Rattenväter, die mit fettreicher Nahrung gefüttert werden, Kinder mit einem erhöhten Diabetesrisiko zeugen. Allerdings konnte dieser Zusammenhang nur beim weiblichen Nachwuchs beobachtet werden. Die Wissenschaftler um Rando wollten jetzt herausfinden, ob und inwieweit eine proteinarme Kost bei Mäusevätern auf den Stoffwechsel der Kinder abfärbt.

Dazu hatten die Forscher mit zwei Gruppen von Mäusemännchen experimentiert: Während sie den einen normales Futter gaben, bekamen die anderen eine proteinarme Nahrung. Die weiblichen Nager erhielten ebenfalls normales Futter, um auszuschließen, dass die mütterliche Ernährungsweise den Stoffwechsel der Kinder beeinflussen könnte. Die männlichen Mäuse wurden in getrennten Käfigen gehalten und nur für zwei Tage zur Paarung zu den Weibchen gelassen. Und mit dem Nachwuchs hatten die Männchen gar keinen Kontakt.

Bei den Mäusekindern, deren Väter mit proteinarmer Nahrung gefüttert wurden, zeigten hunderte Gene der Leber, die am Fettstoffwechsel beteiligt sind, eine veränderte Aktivität, so das Ergebnis der Analysen. Die epigenetischen Effekte, die durch die ungewöhnliche Ernährung der Väter entstanden waren, hatten diese Gene bei der Folgegeneration abgeschaltet. Die Folgen für die Gesundheit der Jungen müssen noch in weiteren Studien untersucht werden. Erstaunlicherweise war lediglich das Erbgut der Kinder von den Kontrollmolekülen betroffen - die Sperma-DNA hatte diese Veränderungen nicht, sagen die Forscher. Damit stelle sich die spannende Frage, wie die Informationen verschlüsselt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diesem Zusammenhang wollen die Forscher in Zukunft nachgehen. Was die Studie aber in jedem Fall belegt: "Die Vererbung ist wesentlich komplexer als bisher angenommen", resümiert Rando.
Oliver Rando (University of Massachusetts Medical School in Worcester) et al.: Cell, Band 143, Nummer 7, Seite 1084-1096

dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede


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