Licht aus!

 Beim Schlafen sollte es besser dunkel sein. Bild: Michael Jurek / pixelio.de
Beim Schlafen sollte es besser dunkel sein. Bild: Michael Jurek / pixelio.de
Wer bei Dämmerlicht schläft, erhöht möglicherweise sein Risiko für Depressionen. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer Studie hin, in der US-amerikanische Forscher den Einfluss von schwacher nächtlicher Beleuchtung auf Hamster untersucht haben. Resultat: Wurden die Tiere nachts nicht wie üblich in völliger Dunkelheit, sondern bei Schummerlicht gehalten, veränderte sich schon nach acht Wochen der Hippocampus in ihren Gehirnen - ein Areal, das als Schlüsselfaktor bei der Stimmungsregulation und damit auch für das Entstehen von Depressionen gilt. Die Entdeckung liefere wichtige neue Erkenntnisse für das Verständnis depressiver Störungen, berichteten die Forscher um Tracy Bedrosian und Randy Nelson von der Ohio State University auf dem Jahrestreffen der amerikanischen Society for Neuroscience in San Diego.
In früheren Studien hatten die Neurologen um Tracy Bedrosian und Randy Nelson bereits herausgefunden, dass helles Licht während der Nacht bei Mäusen Symptome einer Depression auslösen kann. Nun hat das Forscherteam untersucht, ob sich auch bei schwachem Licht Auswirkungen zeigen. Dazu hielten die Wissenschaftler eine Gruppe Dsungarischer Zwerghamster für acht Wochen in einem gewöhnlichen Hell-Dunkel Rhythmus - 16 Stunden helle Beleuchtung und acht Stunden Dunkelheit -, während bei einer zweiten Gruppe jede Nacht Dämmerlicht herrschte. "Wir haben die Hamster nicht mit einem grellen Licht beleuchtet, sondern eine schwache Beleuchtung verwendet, wie sie viele Menschen jede Nacht erfahren", erklärte Nelson. Die Lichtstärke sei etwa mit dem Flimmern eines eingeschalteten Fernsehers in einem dunklen Raum zu vergleichen.

Anschließend prüften die Wissenschaftler unter anderem, wie viel Zuckerwasser die Hamster tranken - ein Test, der auch für die Feststellung der Wirksamkeit von Antidepressiva durchgeführt wird, bevor diese auf den Markt kommen. Er basiert darauf, dass Tiere mit depressiven Störungen wenig interessiert an Zuckerwasser sind, während gesunde Hamster kaum genug davon bekommen können. Ergebnis des Tests: Die Hamster, die während der Nacht einem schwachen Lichtschein ausgesetzt gewesen waren, zeigten deutlich häufiger Symptome einer Depression.

Um dem Grund dafür auf die Spur zu kommen, untersuchten die Neurologen anschließend die Gehirne der Versuchstiere. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei das zentrale Hirnareal des Hippocampus. "Veränderungen des Hippocampus spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Depressionen", erläuterte Bedrosian. Tatsächlich fanden die Wissenschaftler bei den Versuchstieren deutlich weniger sogenannte dendritische Dornfortsätze im Hippocampus. Diese knopfartigen Ausstülpungen an Nervenfasern sind entscheidend für die Informationsübertragung zwischen Gehirnzellen. Zurückgeführt werden kann die verringerte Anzahl nach Ansicht der Wissenschaftler vermutlich auf eine reduzierte Produktion des Botenstoffes Melatonin in den hellen Nächten - eines Hormons, das eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung vom Tag-Nacht-Rhythmus spielt. Derzeit untersuchen die Forscher nun, wie Melatonin und die Depressionen genau zusammenhängen.
Tracy Bedrosian und Randy Nelson (Ohio State University, Columbus, USA) et al.: Society for Neuroscience (SfN) Annual Meeting

dapd/wissenschaft.de ? David Köndgen


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