Ist der Napf halb voll oder halb leer

Auch bei Hunden gibt es Optimisten und Pessimisten. Das haben britische Forscher entdeckt, als sie ein bekanntes Problem untersuchten: Viele Hunde reagieren verängstigt, wenn sie allein zu Hause gelassen werden, bellen in einem fort, demolieren die Inneneinrichtung oder urinieren innerhalb der Wohnung. Andere hingegen lässt das Alleinsein völlig kalt. Der Verdacht der Wissenschaftler: Es gibt optimistische und pessimistische Hunde ? und letztere reagieren häufiger ängstlich und gestresst als ihre optimistischen Artgenossen. Die neue Studie bestätigte diese These. Ähnlich wie für manche Menschen das Glas halb voll sei, für andere aber halb leer, rechneten offensichtlich auch manche Hunde eher mit positiven Ereignissen, andere eher mit negativen.
Die Forscher um Michael Mendl von der University of Bristol in Langford führten ihre Studie mit 24 Hunden durch, die gerade erst ins Tierheim gekommen waren. Als Erstes untersuchten sie, ob die Vierbeiner verängstigt reagierten, wenn sie alleine gelassen wurden. Dazu spielten sie zunächst mit jedem Hund für zwanzig Minuten in einem geschlossenen Raum. Am darauf folgenden Tag brachten sie das Tier erneut in diesen Raum und ließen es dort für fünf Minuten allein. Per Video zeichneten sie sein Verhalten während dieser Zeit auf.

Im Anschluss an dieses Experiment untersuchten die Wissenschaftler, ob die Hunde eher optimistische oder pessimistische Entscheidungen treffen. Zu diesem Zweck gewöhnten sie die Vierbeiner daran, dass ein Fressnapf immer mit Futter gefüllt war, wenn er an einer bestimmten Stelle eines Raumes stand. Stand er hingegen an einem anderen festen Platz, war er leer. Nachdem die Hunde diese Regel verinnerlicht hatten, stellten die Forscher einen Fressnapf mit Futter an eine Position, die zwischen den ersten beiden lag. Hunde, die schnell zu diesem Futternapf rannten, als würden sie Fressen erwarten, wurden als optimistische Tiere eingeordnet. Solche, die sich nur zögernd dem Fressnapf näherten, als würden sie nicht davon ausgehen, Futter zu bekommen, galten entsprechend als Pessimisten.

Der Vergleich der Daten aus beiden Versuchen zeigte einen deutlichen Zusammenhang: Die optimistischen Tiere zeigten sich nur selten verängstigt, wenn sie kurz alleine gelassen wurden. Im Gegensatz dazu neigten die pessimistischen Hunde viel häufiger zu destruktivem Verhalten. Aus der Humanpsychologie sei bereits bekannt, dass die Gefühlslage eines Menschen sein Urteilsvermögen beeinflusse und dass glückliche Menschen eine ambivalente Situation eher positiv bewerteten. "Wie unsere Studie zeigt, gilt Ähnliches auch für Hunde: Ein 'das-Glas-ist-halb-voll'-Hund reagiert weniger ängstlich, wenn er allein gelassen wird, als ein pessimistischerer Artgenosse."
Michael Mendl (University of Bristol, Langford) et al.: Current Biology, Bd. 20, Nr. 19

dapd/wissenschaft.de ? Meike Simann


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Richard Dawkins ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Wissenschaft, der sich selbst als "militanten Atheisten" bezeichnet. In seiner Autobiografie lässt er sein Leben Revue passieren - geistreich und kurzweilig, aber bisweilen auch ausschweifend und redundant.

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