Schnelle Hilfe nach dem Schlag

Deutsche und niederländische Forscher haben eine vielversprechende Möglichkeit entdeckt, um die schlimmen Folgen eines Schlaganfalls zu verhindern: Sie blockierten bei speziellen Schlaganfall-Mäusen ein Enzym, das für den Tod von Nervenzellen nach einem Schlaganfall verantwortlich ist. Durch diese Therapie nahm das Gehirn der Tiere weniger Schaden und wichtige Funktionen blieben erhalten ? selbst dann, wenn die Behandlung erst Stunden nach dem Schlaganfall erfolgte. Die Entdeckung bietet eine gute Perspektive für die Behandlung von Schlaganfallpatienten.
Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn "wie auf einen Schlag" plötzlich nicht mehr mit ausreichend mit Blut versorgt, Nervenzellen sterben und das Hirn nimmt Schaden. Die Folge sind beispielsweise Lähmungen, Schwindel oder Sehstörungen. Die Forscher um Harald Schmidt von der Universität in Maastricht und um Christoph Kleinschnitz von der Universität in Würzburg konnten nachweisen, dass ein Enzym namens NOX4 maßgeblich am Absterben der Nervenzellen beteiligt ist: Es bildet Wasserstoffperoxid, eine aggressive Sauerstoffverbindung, die auch in Bleichmitteln verwendet wird. Diese Substanz kann zu Zellschäden führen ? bei einem Schlaganfall sind davon die Nervenzellen im Gehirn betroffen.

"Schlaganfälle infolge eines Hirninfarkts sind die zweithäufigste Todesursache weltweit", erklärt der Forscher Christoph Kleinschnitz. Bisher gibt es jedoch keine zufriedenstellenden Behandlungsmethoden, und Versuche, neue wirksame Therapien zu entwickeln, waren bisher nicht erfolgreich. Den Wissenschaftlern ist es nun gelungen, aufgrund ihrer Entdeckung eine Strategie zu entwickeln, mit der die schädliche Wasserstoffperoxid-Bildung unterbunden wird. Dafür blockierten sie im Mausversuch das NOX4-Enzym. Ergebnis: Die Tiere starben seltener und ihr Gehirn überstand den Schlaganfall ohne größere Schäden.

Mit Hilfe der neu entdeckten Zusammenhänge zwischen dem Enzym NOX4 und dem Zellsterben im Gehirn nach einem Schlaganfall ergeben sich neue und erfolgsversprechende Therapiemöglichkeiten, sind die Forscher überzeugt. Das gelte nicht nur für Schlaganfälle, sondern auch für andere Erkrankungen, die mit der Bildung von schädlichen Sauerstoffverbindungen in Verbindung stehen, wie etwa Herzinfarkt, Krebs oder Parkinson.
Harald Schmidt & Christoph Kleinschnitz (Universität Maastricht und Universität Würzburg) et al.: PLoS Biology, September 2010, Bd. 8, Nr. 9. doi: 10.1371/journal.pbio.1000479.

wissenschaft.de ? Kristina Abels


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