Pilz statt Pille

 Pilze der Gattung Psilocybe enthalten Halluzinogene, die Angstzustände lindern können.
Pilze der Gattung Psilocybe enthalten Halluzinogene, die Angstzustände lindern können.
Das in sogenannten "Magic Mushrooms" enthaltene Halluzinogen Psilocybin kann die Angstzustände schwerkranker Menschen deutlich lindern. Zu diesem Schluss sind US-Forscher nach Abschluss einer Studie mit krebskranken Freiwilligen gekommen. Nach einer einmaligen, niedrig dosierten Gabe des Wirkstoffs berichteten die Patienten, über einen Zeitraum von sechs Monaten weniger Angst empfunden zu haben und insgesamt in einer positiveren Stimmung gewesen zu sein. Negative psychische oder körperliche Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden, berichten die Wissenschaftler. Der Einsatz von Halluzinogenen sei zwar in der Vergangenheit umstritten gewesen, man dürfe aber ihren möglichen medizinischen Nutzen nicht übersehen, sagen Charles Grob vom Harbor-UCLA Medical Center in West Carson und sein Team.
Als "Magic Mushrooms" oder "Zauberpilze" werden umgangssprachlich Pilze mit halluzinogenen Substanzen bezeichnet. Das in den Versuchen verwendete Psilocybin kommt vor allem in der Pilzgattung der Kahlköpfe (Psilocybe) vor. ?Ab den späten 1950er Jahren bis zu den frühen 1970er Jahren gab es umfassende Untersuchungen zum Nutzen von Halluzinogenen bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, die häufig unter Angst, Verzweiflung und Einsamkeit leiden?, berichten die Autoren. Allerdings seien solche Projekte Anfang der 1970er Jahre wegen des starken politischen und kulturellen Drucks wieder eingestellt worden. ?Man ist sich jedoch in den letzten Jahren wieder bewusst geworden, dass man psychische und existenzielle Krisen bei Patienten mit schweren Krebserkrankungen energischer angehen muss?, betonen Grob und sein Team.

In ihrer Pilotstudie untersuchten die Mediziner 12 Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, die gleichzeitig unter starken Angstzuständen litten. Die Teilnehmer erhielten entweder Psilocybin in einer Dosis von 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht oder ein Placebo. Vor, während und nach der Gabe wurden Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen. Zusätzlich füllten die Probanden vor und nach der Behandlung Fragebögen zu ihrer Angst, Depressivität und Stimmung aus. Die gleichen Fragebögen erhielten sie auch einen Tag sowie zwei Wochen nach der Untersuchung und dann sechs Monate lang jeweils einmal im Monat.

Alle Probanden hätten die Behandlung gut vertragen und keiner von ihnen habe einen ?Horrortrip? erlebt, berichten die Forscher. Darüber hinaus waren einen Monat und drei Monate nach der Behandlung verringerte Angstwerte zu beobachten. Auch die Depressivität war zwei Wochen nach der Psilocybin-Gabe tendenziell reduziert und hatte sechs Monate nach der Behandlung einen signifikant niedrigeren Wert erreicht.

Zusammenfassend zeige die Untersuchung, dass die einmalige Gabe einer moderaten Dosis Psilocybin ein brauchbarer und sicherer Behandlungsansatz sei, sagen Grob und seine Kollegen. Ihrer Ansicht nach würden die Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer Forschungsarbeiten auf dem lange vernachlässigten Gebiet unterstreichen.
Charles Grob (Harbor-UCLA Medical Center, West Carson) et al.: Archives of General Psychiatry, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2010.116

dapd/wissenschaft.de - Christine Amrhein


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Abonnement abschließen

und Vorteile genießen

weiter

Rubriken

Der Buchtipp

Wer eine Diagnose wie „Parkinson" bekommt, erschrickt zutiefst. Doch das ist kein Todesurteil, sondern kann helfen, neu leben zu lernen. Das aufrüttelnde Buch eines Betroffenen.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe