Prügeln ist weit verbreitet

Eine Tracht Prügel oder andere Formen der körperlichen Züchtigung von Kindern sind noch immer weltweit verbreitet. Das haben internationale Forscherteams in mehreren Studien herausgefunden. In den USA werden beispielsweise noch immer fast 80 Prozent der Vorschulkinder von ihren Eltern geschlagen. Die Art der Gewaltanwendung und deren Häufigkeit variieren sowohl zwischen den sechs untersuchten Ländern als auch innerhalb. Im Gegensatz zur Bildung haben die Einkommensverhältnisse dabei keinen eindeutigen Einfluss auf die Bereitschaft zur Gewalt. Gesetzliche Verbote zeigen den Ergebnissen zufolge einen positiven Effekt: Staaten, in denen körperliche Züchtigung unter Strafe steht, weisen eine geringere Gewaltrate gegenüber Kindern auf.
Für ihre Untersuchungen sammelten die Forscher über einen Zeitraum von fünf Jahren Daten von mehr als 14.000 Müttern. Dazu befragten sie in Brasilien, Chile, Ägypten, Indien, den Philippinen und den USA Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Ergebnis: In 55 Prozent der Familien griffen die Mütter zu körperlichen Mitteln der Bestrafung. Die Formen reichten dabei von einer Tracht Prügel bis zum Schlagen mit Gegenständen. 16 Prozent der Kinder erlitten der Studie zufolge im vergangenen Jahr auch grobe Misshandlungen.

Mütter mit einem geringeren Bildungsstand griffen den Ergebnissen zufolge öfter auf körperliche Bestrafungen zurück. Es zeigte sich jedoch auch, dass das Einkommen keinen direkten Einfluss auf die Gewaltanwendung hatte: Sowohl Familien mit hohen Einkommen als auch solche mit geringem Verdienst verwendeten körperliche und verbale Gewalt gegenüber ihren Kindern.

In der im Juni veröffentlichten Studie hatten Forscher um Adam Zolotor, Familienmediziner an der School of Medicine der University of North Carolina, bereits festgestellt, dass jegliche körperliche Züchtigung von Kindern lediglich in zwölf Prozent der Länder weltweit verboten ist. Von diesen 24 Ländern befinden sich 19 in Europa, in Asien und Nordamerika hingegen gibt es keinerlei Verbote. Die Forscher konnten dabei einen direkten Zusammenhang zwischen der geringeren Gewaltanwendung und den Gesetzen gegen körperliche Gewalt nachweisen: "Dies unterstreicht die wichtige Verbindung zwischen sozialem Wandel und gesetzlichem Wandel", erklärt Zolotor. Zwischen 1975 und 2002 hatte sich die Zahl der misshandelten Kinder demnach um rund 18 Prozent verringert.
Desmond Runyan (University of North Carolina, Chapel Hill, USA) et al.: Pediatrics, Onlineveröffentlichung, doi:10.1098/rsbl.2010.0564

Adam J. Zolotor und Megan Puzia (University of North Carolina, Chapel Hill, USA): Child Abuse Review, doi: 10.1002/car.113, Bd. 19, Nr. 4, S. 229

Adam J. Zolotor (University of North Carolina, Chapel Hill, USA) et al.: Child Abuse Review, Onlineveröffentlichung, doi: 10.1002/car.1128

ddp/wissenschaft.de ? David Köndgen


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Abonnement abschließen

und Vorteile genießen

weiter

Rubriken

Der Buchtipp

Wissensbuch des Jahres 2016
Einsteins Berliner Jahre waren in jeder Hinsicht wegweisend: Er arbeitete an seiner bahnbrechenden Theorie der Gravitation, erwies sich als konsequenter Pazifist, und er fand eine neue Liebe. Thomas de Padovas Buch setzt diese Zeit eindrucksvoll in Szene.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe