Der große Abgang der Frösche

 Der in Mittelamerika in tropischen und subtropischen Wäldern lebende Frosch Hemiphractus fasciatus wird auf den Pilzkrankheitserreger Batrachochytrium dendrobatidis untersucht. Foto: Andrew Crawford
Der in Mittelamerika in tropischen und subtropischen Wäldern lebende Frosch Hemiphractus fasciatus wird auf den Pilzkrankheitserreger Batrachochytrium dendrobatidis untersucht. Foto: Andrew Crawford
Seit über zwei Jahrzehnten sterben weltweit massenhaft Amphibien, wofür auch eine Pilzerkrankung verantwortlich ist. Nun hat erstmals ein internationales Forscherteam präzise die Auswirkungen der Epidemie auf die Artenvielfalt beziffert: Nachdem die Pilz-Krankheitswelle über einen Nationalpark in Zentralpanama hinweggefegt war, blieben nur knapp 60 Prozent der Spezies übrig. Identifiziert wurden die Amphibien anhand von Gensequenzen. Erfreulicher Weise entdeckten die Wissenschaftler dabei elf bislang unbekannte Froscharten. Allerdings sind fünf von ihnen durch die Pilzkrankheit ausradiert worden.
Neben der Klimaerwärmung reduziert vor allem die Pilzerkrankung Chytridiomykose weltweit die Amphibien. Der Erreger Batrachochytrium dendrobatidis stört dabei den Stoffwechsel der Frösche und beeinträchtigt die biologischen Funktionen der Haut, was dann zum Tod führt. Präzise Daten über die nachhaltigen Auswirkungen der Krankheit lagen bisher nicht vor: Es fehlten Vergleichsdaten über die Tierbestände vor der Krankheitswelle. Und die haben nun Wissenschaftler des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama vorgelegt.

Die Forscher hatten 2004 im Omar Torrijos National Park in El Copé in Zentralpanama auf einer Fläche von vier Quadratkilometern 63 Froscharten identifiziert und gesammelt. Nach der Pilzepidemie wurde das Areal erneut durchstreift und festgestellt, dass 25 der Spezies ausgestorben waren. Um das Ergebnis mit einer noch genaueren Vorher-Nachher-Analyse abzusichern, wurde das etablierte DNA-Barcoding-Verfahren eingesetzt. Dabei wird für die Bestimmung von Organismen-Arten immer ein spezielles Gen der Mitochondrien untersucht, dem Kraftwerk der Zellen. Dieses standardisierte DNA-Fragment dient quasi als Barcode für die schnelle Artenbestimmung. Dadurch entdeckten die Wissenschaftler elf neue Froscharten.

"Es ist eine traurige Ironie, dass von den bislang unbekannten Froscharten gleich wieder fünf durch die Pilzkrankheit ausgelöscht worden sind", berichtet Andrew Crawford von der Universidad de los Andes in Bogotá. Die Pilzkrankheit hat damit von insgesamt 74 Froscharten in dem Nationalpark 30 hinweggerafft. "Chytridiomykose reduziert also die Amphibien-Artenvielfalt um 41 Prozent", konstatieren die Wissenschaftler.

Das Smithsonian Tropical Research Institute gehört zur Smithsonian Institution. Die US-Forschungs- und Bildungseinrichtung unterhält überwiegend in Washington 18 Museen und Galerien. Das Tropenforschungsinstitut in Panama mit mehreren Forschungsstationen ist die einzige Einrichtung des Smithsonians außerhalb der USA.
Andrew Crawford (Universidad de los Andes, Bogotá) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0914115107

ddp/wissenschaft.de ? Rochus Rademacher


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