Sonne als Lumpensammler

Viele der bekannten Kometen in unserem Sonnensystem sind in der Nähe anderer Sterne entstanden und wurden erst von der Gravitation der jungen Sonne eingefangen. Das hat ein US-Forscherteam anhand von Computersimulationen errechnet. Die aus Kometen bestehende Oortsche Wolke, die die Sonne umgibt, entstand demnach aus einer Ansammlung Hunderter von Sternen. Bei der Auflösung dieses Sternenclusters fing die Sonne die meisten der Kometen ein, die sich bei der Geburt der Planetensysteme gebildet haben. Innerhalb der Wolke dürften sich daher wertvolle Materialproben einer Vielzahl anderer Sterne befinden.
Die Oortsche Wolke ist eine riesige Ansammlung von Kometen und umgibt das Sonnensystem wie eine Kugelschale mit einer Ausdehnung von etwa eineinhalb Lichtjahren. Nach bisherigen Vermutungen haben die Kometen, zu denen auch so bekannte Objekte wie Halley oder Hale-Bopp gehören, ihren Ursprung in der protoplanetaren Scheibe der Sonne. Aus dieser Ansammlung von Gas und Staub, die sich um junge Sterne bildet, können Planetensysteme entstehen. Auch die Kometen der Oortschen Wolke sollen sich nach gängiger Meinung in der Scheibe gebildet haben, wobei die meisten dieser Himmelskörper durch die Gravitationskräfte der gerade entstehenden großen Planeten aus der Scheibe hinausgeschleudert wurden. Doch diese Theorie stößt auf Widerspruch: Die Oortsche Wolke scheint weitaus dichter von Kometen besiedelt zu sein, als die Berechnungen der Astronomen vorhersagen. Daher müssen die meisten dieser Himmelskörper an einem anderen Ort als der Sonne entstanden sein.

Die Wissenschaftler um Harold Levison entwickelten nun eine neue Theorie, die auf der Annahme basiert, dass die Sonne in einer dichten Wolke aus Hunderten von anderen Sternen entstanden ist. Während ihrer Entstehung hat sich in den protoplanetaren Scheiben der Sterne neben den Planeten auch eine Vielzahl von kleineren Eiskörpern gebildet ? die Kometen. Computersimulationen ergaben, dass die Sonne offenbar die eisigen Objekte ihrer Schwestersterne einfing, als sich der gigantische Sternencluster auflöste. Im Chaos der expandierenden Sternenwolke wurden die Kometen durch die Gravitation der Sonne eingefangen und bildeten schließlich die Oortsche Wolke.

"Dieser Prozess ist überraschend effizient und eröffnet die spannende Möglichkeit, dass die Oortsche Wolke ein Potpourri aus Material vieler anderer Sterne enthält", freut sich Levison. Die Wissenschaftler vermuten, dass mehr als neunzig Prozent der bekannten Kometen der Oortschen Wolke extrasolaren Ursprungs ist. Dies erklärt, warum die Anzahl der Kometen in der Wolke größer ist, als bisherige Modelle vorhersagen konnten. Somit sei das seit sechzig Jahren bestehende Rätsel der Entstehung der riesigen Wolke gelöst, die das Sonnensystem umschließt.
Harold Levison (Southwest Research Institute) et al.: Sciencexpress, Online-Veröffentlichung, doi: 10.1126/science.1187535

ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan


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