Hormon-Feuerwehr

 Als köprereigene Feuerwehr ist das Hormon Hepcidin stets darauf bedacht, aufflammende Entzündungen unter Kontrolle zu halten.
Als köprereigene Feuerwehr ist das Hormon Hepcidin stets darauf bedacht, aufflammende Entzündungen unter Kontrolle zu halten.
Entzündungsreaktionen laufen im Körper nahezu täglich ab, etwa in Form eines ärgerlichen, aber harmlosen Eiterpickels, eines Sonnenbrandes oder einer Erkältung. Es gibt aber auch schwerwiegende Formen bis hin zur lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Damit es dazu erst gar nicht kommt, besitzt der Körper mit dem Hormon Hepcidin einen Regulator, der Entzündungen entgegenwirkt, wie US-Forscher nun herausgefunden haben. Bekannt war Hepcidin bisher vor allem für seine Funktion als Überwacher des Eisenhaushalts im Körper. Zwar hatte es bereits Hinweise auf die antientzündliche Wirkung des Hormons gegeben, doch erst Jerry Kaplan von der University of Utah in Salt Lake City und seine Kollegen belegten sie nun in Versuchen mit Mäusen. Die Erkenntnisse könnten langfristig zur Behandlung schwerer Entzündungen dienen, berichten die Wissenschaftler.
Auf potenziell bedrohliche Eindringlinge wie beispielsweise Bakterien reagiert der menschliche Körper mit einer Entzündung: Durch Botenstoffe aktiviert das Immunsystem T-Zellen, Makrophagen und andere Verteidigungseinheiten, die den Kampf gegen die Invasoren aufnehmen. Insofern ist eine Entzündung also prinzipiell ein sinnvoller Prozess. Gefährlich wird es, wenn der ganze Organismus davon ergriffen wird und sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richtet: Im Verlauf einer solchen Sepsis, umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bezeichnet, können ohne medizinische Hilfe innerhalb kurzer Zeit lebenswichtige Organe versagen und schließlich der Tod eintreten.

Dass es nur verhältnismäßig selten zu solch schwerwiegenden Überreaktionen kommt, könnte auch der Verdienst des Hormons Hepcidin sein. Dieses hat eine Doppelfunktion, wie Kaplan und sein Team nun herausfanden. Zum einen steuert es den Eisenhaushalt des Körpers, damit es weder zu einer Unterversorgung ? und in der Folge zu Blutarmut ? noch zu einer Überversorgung und damit zu einer Vergiftung kommt. Letzteres erreicht das Hormon, indem es an ein Transportprotein namens Ferroportin bindet, das dadurch nicht mehr für die Umwandlung und Weitergabe des Eisens von der Nahrung ins Blut zur Verfügung steht. Anschließend sorgt ein Enzym namens Jak2 dafür, dass die Ferroportin-Hepcidin-Verbindung in den Zellen wieder abgebaut wird, wie die Forscher um Kaplan in früheren Studien herausgefunden hatten.

Eben jenes Enzym scheint auch bei der zweiten, nun entdeckten Aufgabe des Hepcidins eine Schlüsselfunktion zu spielen: Das Hormon gibt über Jak2 den Befehl, einen körpereigenen molekularen Schalter zu betätigen, der bestimmte Gene an- oder ausknipst. «Unter denen, die angeschaltet werden sind auch solche, die die Entzündung verringern», berichtet Kaplan. Sowohl anhand von Zellkulturen als auch in Versuchen mit Mäusen haben er und seine Kollegen nun die entzündungshemmende Wirkung von Hepcidin nachgewiesen. Mäuse, denen zuvor Hepcidin gespritzt worden war, zeigten nach künstlich hervorgerufenen Infektionen nur schwach ausgeprägte Entzündungssymptome. Die Tiere der Kontrollgruppe, die lediglich eine Injektion mit einer Salzlösung erhalten hatten, erkrankten hingegen so schwer, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten. Klinische Studien müssen nun zeigen, ob Hepcidin auch zur Behandlung von Entzündungen beim Menschen geeignet ist - und das wird einige Jahre dauern, sagt Kaplan.
Jerry Kaplan (University of Utah, Salt Lake City) et al.:
Journal of Clinical Investigation, Bd. 120, Nr. 7

ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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