Schlaue Kobras

 Die Speikobra zeichnet sich durch eine enorme Treffsicherheit beim Verspritzen ihres Gifts aus
Die Speikobra zeichnet sich durch eine enorme Treffsicherheit beim Verspritzen ihres Gifts aus
Speikobras erreichen eine hohe Treffgenauigkeit beim Giftspritzen, indem sie die Bewegung des Angreifers über einen geringen Zeitraum vorausberechnen können. Ein amerikanisch-deutsches Forscherteam hat herausgefunden, dass die Schlangen ihre Kopfbewegungen zunächst mit den Bewegungen des Ziels synchronisieren können. Sobald ein potenzieller Angreifer den Verteidigungsimpuls bei der Kobra auslöst, richtet diese ihren Kopf durch eine schnelle, ruckartige Bewegung auf die Position, an der sich die Augen des Gegners im nächsten Moment befinden werden. Auf diese Weise können die Schlangen ihren Giftstrahl mit größter Genauigkeit auf ein bewegliches Ziel lenken und die Trefferwahrscheinlichkeit erheblich vergrößern.
Einige Kobra-Arten verteidigen sich selbst, in dem sie Gift in die Augen eines potenziellen Angreifers spritzen. Der Giftstoff verursacht einen lähmenden Schmerz und kann im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Die Schlangen können ihr Gift meterweit verspritzen, indem sie es durch starke Muskelkontraktionen aus den Giftdrüsen durch einen schmalen Kanal innerhalb der Giftzähne pressen. Dies geschieht mit bemerkenswert hoher Treffgenauigkeit, obwohl einige Faktoren den Kobras das Leben schwer machen: Das Ziel befindet sich meist in Bewegung und ist durchschnittlich eineinhalb Meter entfernt. Außerdem kann die Schlange den Giftstrahl nur etwa 50 Millisekunden aufrechterhalten und dementsprechend während des Speivorgangs nicht mehr die Spritzrichtung korrigieren.

Ausgerüstet mit einem Augenschutz reizten die Forscher um Guido Westhoff die Schlangen durch ruckartige Kopfbewegungen, deren Geschwindigkeit mit Hilfe eines in der Brille eingebauten Geräts gemessen wurde. Mit einer Spezialkamera wurden die Bewegungen der Kobras mit 500 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Etwa 100 Speivorgänge wurden auf diese Weise von den Wissenschaftlern dokumentiert. Bei der Auswertung der Daten erkannten sie, dass die Schlangen bei jedem Versuch ähnliche Verhaltensmuster zeigten. Kurz bevor sie das Gift aus den Fangzähnen verspritzten, beschleunigten die Kobras ihre zuvor mit den Bewegungen ihres Gegenübers im Einklang stehenden Kopfbewegungen. Im Moment des Speiens konnten sie dadurch den Giftstrahl auf den Punkt lenken, an dem sich die Augen des Gegners im nächsten Moment befinden würden. Die Schlangen konnten durchschnittlich 200 Millisekunden im Voraus den zukünftigen Aufenthaltsort des Aggressors berechnen.

Dieses Verhaltensmuster sorgt für eine extreme Treffgenauigkeit der Kobras, wenn es darum geht, einen potenziellen Angreifer zu schwächen: Zunächst passt sich die Schlange den Bewegungen ihres Gegners an. Im Moment des Auslösens des Speivorgangs durch den Angreifer, schaltet die Kobra blitzschnell auf die Vorausberechnung der zukünftigen Augenposition um. Nach Ansicht der Wissenschaftler scheint dieses Verhalten ausschließlich auf visuelle Signale zurückzuführen sein, da thermische und chemosensorische Faktoren hier keine Rolle spielen.
Guido Westhoff (Universität Bonn) et al.:
The Journal of Experimental Biology Bd. 213, Nr.10, S.1797, doi:10.1242/jeb.037135

ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Abonnement abschließen

und Vorteile genießen

weiter

Rubriken

Der Buchtipp


Wie wird sich die ökologische Situation der Welt entwickeln? Ab wann droht das System zu kippen? Die allgemeinverständliche Kurzfassung einer umfassenden wissenschaftlichen Studie.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe