Eiskalt vernichtet

Vielen Frauen mit Brustkrebs könnten Operationen künftig womöglich erspart bleiben: Mit Hilfe der bereits bei kleineren Tumoren eingesetzten Kryotherapie lassen sich auch größere Tumore erfolgreich behandeln. Zu diesem Schluss sind US-Forscher um Peter Littrup vom Karmanos Cancer Institute in Detroit gekommen. Sie behandelten 13 Patientinnen jeweils mit mehreren Kryosonden gleichzeitig und konnten auf diese Weise selbst Tumore beseitigen, deren Durchmesser mehr als 5 cm betrug. Die Sonden verströmen eiskaltes Gas direkt auf den Tumor und zerstören ihn dadurch. Dank ihres geringen Durchmessers hinterlassen sie nur kleine Narben und können ambulant eingesetzt werden, berichten die Wissenschaftler.
Da es noch keine Langzeitstudien zur Kryotherapie gibt, wird sie bislang vor allem bei Patienten eingesetzt, die für eine Operation nicht infrage kommen, oder diese verweigern. Bei der Behandlung wird eine Sonde in die Haut eingeführt, durch die Gas mit einer Temperatur von -30 Grad Celsius direkt an den Tumor strömt. Ähnlich wie bei der Vereisung einer Warze schwillt daraufhin das Gewebe an und die Tumorzellen werden zerstört. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder der Magnetresonanztomographie kann das behandelte Gebiet dabei genau überwacht werden und ein besonders exaktes Arbeiten ist möglich.

Vielen Spezialisten galt bislang allerdings ein Tumordurchmesser von 1,5 Zentimetern als Grenze des Machbaren, da sie der Ansicht waren, darüber hinaus nicht im ganzen Tumor die notwendige tiefe Temperatur erzeugen zu können. Littrup und sein Team waren jedoch der Überzeugung, dies sei sehr wohl machbar, denn schließlich werde das Verfahren auch bei der Behandlung ganzer Prostatae eingesetzt.

Die Lösung: Sie verwendeten einfach mehrere Sonden gleichzeitig. Ermöglicht wurde dieser Ansatz allerdings auch erst dadurch, dass die Sonden mit der Zeit immer mehr verbessert und verfeinert wurden. Die von Littrup eingesetzten haben gerade einmal einen Durchmesser von 2,4 Millimetern ? und hinterlassen auch nur entsprechend kleine Narben. Bei den 13 untersuchten Frauen traten nach der ambulanten Behandlung keine Komplikationen auf und auch nach fünf Jahren war der Krebs nicht zurückgekehrt.
Peter Littrup (Karmanos Cancer Institute, Detroit) et al.: Beitrag auf dem 35. Jahrestreffen der Society of Interventional Radiology in Tampa

ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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