Hilfsbereitschaft steckt an

Gute Taten werden genauso leicht von Mensch zu Mensch weitergegeben wie schlechte. Wenn eine Person sich anderen gegenüber hilfsbereit oder großzügig verhält, löst dies eine Art Domino-Effekt aus: Die Empfänger übernehmen das freundliche Verhalten und geben es wiederum an andere Menschen weiter. Das haben US-Forscher in einem Experiment herausgefunden, in dem die Teilnehmer Unbekannten mit Geld helfen konnten. Demnach ist kooperatives Verhalten ähnlich wie Glück oder Einsamkeit "ansteckend", schreiben die Wissenschaftler.
Die insgesamt 240 Probanden nahmen an einem Spiel mit mehreren Spielrunden teil, in denen sie jeweils mit drei anderen Teilnehmern eine Gruppe bildeten. In jeder Spielrunde erhielten die Versuchspersonen 20 Geldeinheiten und sollten entscheiden, wie viel sie davon für ein Gruppenprojekt beisteuern wollten. Am Ende der Runde erfuhren alle, wie viel die anderen Teilnehmer für das gemeinsame Projekt ausgegeben hatten ? und alle bekamen umso mehr ausgezahlt, je mehr in die Gruppenkasse eingezahlt worden war. In der nächsten Runde wurden die Gruppen dann neu zusammengestellt, so dass kein Proband mehrmals mit einem anderen zusammen spielte.

Verhielten sich einige Gruppenteilnehmer hilfsbereit und gaben viel Geld für das Gruppenprojekt aus, wirkte sich dies in der nächsten Spielrunde auch auf das Verhalten der Empfänger aus: Diese waren in der nächsten Spielrunde ebenfalls großzügiger ? und dies übertrug sich wiederum auf die anderen Teilnehmer in dieser Runde. Auf diese Weise wurde ein Domino-Effekt ausgelöst: Das großzügige Verhalten einer Person übertrug sich zunächst auf drei andere Teilnehmer, und diese gaben es wiederum an drei weitere ? also an insgesamt neun ? Probanden weiter.

Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass dieser Übertragungsprozess dazu beigetragen haben könnte, dass Zusammenarbeit in Gruppen überhaupt entstanden ist. Denn wenn sich in einer Gruppe mindestens ein hilfsbereiter Mensch befindet, würde dies die Hilfsbereitschaft der ganzen Gruppe und damit ihre Überlebenschancen erhöhen. "Ich fand es sehr aufregend, zu sehen, dass sich Freundlichkeit auch auf Menschen überträgt, die man nicht kennt und nie zuvor getroffen hat", sagt Fowler. Dadurch ist auch ausgeschlossen, dass ein Teilnehmer sich in der nächsten Runde für die Hilfsbereitschaft eines anderen revanchieren wollte oder dass es ihm nur darum ging, seinen guten Ruf in der Runde zu erhalten.

Zwar stellte sich in der Untersuchung auch unkooperatives Verhalten als ansteckend heraus ? es gab jedoch keine Hinweise dafür, dass es sich stärker oder dauerhafter ausbreitete als kooperatives Verhalten. "Menschen müssen positive Eigenschaften wie Liebe und Freundlichkeit weitergeben, damit soziale Netze auf Dauer bestehen können", sagt Christakis. "Sie bilden solche kooperativen Netzwerke, weil ihr Nutzen deutlich höher ist als der Aufwand für das hilfsbereite Verhalten."
James Fowler (Universität von Kalifornien, San Diego) und Nicholas Christakis (Harvard Medical School, Boston): PNAS, doi: 10.1073/pnas.0913149107

ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein


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