Der Meteorit war's doch

 Streitende Stygimoloch-spinifer-Dinosaurier im Ökosystem beim Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär: Vor 65,5 Millionen Jahren erfolgte dann der Meteoriteneinschlag, den die Dinosaurier nicht überlebten. Auch über die Hälfte aller Pflanzen- und Insektenarten starben aus. Foto: Denver Museum of Nature and Science
Streitende Stygimoloch-spinifer-Dinosaurier im Ökosystem beim Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär: Vor 65,5 Millionen Jahren erfolgte dann der Meteoriteneinschlag, den die Dinosaurier nicht überlebten. Auch über die Hälfte aller Pflanzen- und Insektenarten starben aus. Foto: Denver Museum of Nature and Science
Jetzt ist es amtlich: Der Meteorit, der vor etwa 65,5 Millionen Jahren auf der heute zu Mexiko gehörenden Halbinsel Yucatán einschlug, hat das Aussterben der Dinosaurier und vieler anderer Tiere und Pflanzen verursacht. Andere Erklärungen für das Massensterben, wie etwa ein damals äußerst aktiver Supervulkan im heutigen Indien, lassen sich nicht mit den vorhandenen geologischen Daten in Einklang bringen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team aus 41 Forschern nach einer sorgfältigen Analyse der Daten, die in den vergangenen zwanzig Jahren dazu veröffentlicht wurden, sowie mehrerer Computersimulationen. Demnach war der Einschlag des etwa 15 Kilometer großen Gesteinsbrockens so heftig, dass mehr als die Hälfte aller damals lebenden Tier- und Pflanzenarten vermutlich schon innerhalb weniger Tage starb.
Die Theorie, die Dinosaurier könnten in Folge eines Meteoriteneinschlags ausgestorben sein, stammt aus den frühen Achtzigerjahren. Damals entdeckten Forscher, dass in der KT-Grenze ? einer Gesteinsschicht, die etwa 65,5 Millionen Jahre alt ist und die Kreide- von der Tertiärzeit trennt ? das auf der Erde normalerweise sehr seltene Metall Iridium ungewöhnlich stark vertreten ist. Da Asteroiden und Kometen mehr Iridium enthalten als das Erdgestein, wird eine derartige Anreicherung als Beleg für einen Einschlag betrachtet, bei dem iridiumreicher Staub aufgewirbelt wird und sich auf der Erdoberfläche wieder absetzt. Die sonstige Beschaffenheit der Schicht deutete auf einen Einschlag im Bereich des Golfs von Mexiko hin, wo 1991 auch tatsächlich der bis zu 200 Kilometer breite Chicxulub-Krater entdeckt wurde.

Skeptiker bezweifeln allerdings, dass der Einschlag und das Massensterben am Ende der Kreidezeit zusammenhingen. Stattdessen vermuten sie die Ursache im heutigen Indien, im sogenannten Dekkan-Trapp, wo sich zur fraglichen Zeit ein aktiver Supervulkan befand, der über 1,5 Millionen Jahre hinweg große Mengen Staub, Schwefel und vulkanische Gase ausstieß. Das konnten Peter Schulte von der Universität Erlangen und seine Kollegen nun jedoch widerlegen: Die Abnahme der Fossilienmenge und -vielfalt folgte dem Iridium-Anstieg im Gestein so abrupt, dass die stetige vulkanische Aktivität nicht der Auslöser gewesen sein kann ? vor allem, weil in den 500.000 Jahren zuvor lediglich geringe Veränderungen stattfanden. Zudem stamme die häufig geäußerte These, der Einschlag habe viel früher stattgefunden als das Massensterben, aus einer Fehlinterpretation geologischer Daten: Der Aufprall habe die Schichten in dem betroffenen Gebiet derartig durcheinander gebracht, dass sie kaum noch zuverlässige Informationen liefern könnten, so die Forscher.

Ihrer Ansicht nach sah das Szenario nach dem Einschlag so aus: Der Aufprall löste sofort verheerende Druckwellen und einen Hitze-Puls aus, der sich über weite Strecken fortpflanzte. Die Kontinentalsockel kollabierten, es kam zu Erdbeben mit einer Magnitude größer als elf auf der Magnituden-Skala (Mw) sowie einer Reihe von Tsunamis. Gleichzeitig wurden innerhalb weniger Minuten riesige Mengen Staub, Ruß, Gesteinsbrocken und Gase in die Atmosphäre geschleudert, die sich über die gesamte Erde verteilten und sauren Regen sowie eine Verdunklung verursachten. Die folgende Abkühlung und das fehlende Licht wiederum dezimierten die überlebenden Pflanzen und damit auch alle davon abhängigen Tierarten.
Peter Schulte (Universität Erlangen) et al.: Science, Band 327, Seite 1214


ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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