Schluss mit Tanzen

 Die gelb-rosa gekennzeichnete Biene (Bildmitte) gefriert auf ein Stoppsignal der mit
Die gelb-rosa gekennzeichnete Biene (Bildmitte) gefriert auf ein Stoppsignal der mit "S" markierten Biene hin ihren Tanz ein, mit dem sie Informationen über eine Nahrungsquelle abliefert. Bild: James Nieh
Wenn Honigbienen bei der Nahrungssuche von Feinden angegriffen werden, warnen sie ihr Nest vor der drohenden Gefahr: Sie geben ein Zeichen, das andere Bienen davon abhält, sich in die Nähe des unheilvollen Orts zu begeben. Wie US-Forscher bei Verhaltensexperimenten mit Honigbienen entdeckten, gehen die Bienen dabei raffinert vor: Die attackierten Insekten richten nämlich ihr Warnsignal direkt an die Artgenossen, die mit dem Bienentanz auf genau die Nahrungsquelle aufmerksam machen, an der Unheil droht. Daraufhin stellen diese ihren Tanz ein.
Das Stopp-Signal besteht aus einem kurzen Zittern und hält rund eine Zehntelsekunde an, berichten die Forscher. In dieser Zeitspanne vibriert die Biene bis zu 38 Mal hin und her. Das warnende Insekt legt dabei seinen Kopf an das tanzende Tier und überträgt so die Vibrationen. In manchen Fällen klettert es dazu sogar auf den Empfänger. Die Nektarsammler frieren daraufhin sofort den Bienentanz ein. Diesen Vorgang hatten Biologen schon in früheren Studien beobachtet, allerdings glaubten sie, dass die Tiere damit einfach Nahrung von ihren Kolleginnen ergattern wollten: Sie nannten den Vorgang deshalb "Bettel-Ruf". Das Forscherteam um Nieh zeigt nun, dass das Signal vor Gefahr bei Nahrungsquellen warnt.

Für ihre Untersuchung stellten die Wissenschaftler eine Futterquelle auf, die von verschiedenen Bienenkolonien besucht wurde. Sie beobachteten, dass Tiere, die von Bienen eines anderen Stamms attackiert wurden, das Vibrationssignal aussandten, unversehrte Artgenossen jedoch nicht. In weiteren Experimenten setzten sie die Insekten einem Duftstoff aus, der die Tiere in Alarmbereitschaft versetzte: Die Zahl der Warnsignale nahm um 14 Prozent zu. Piksten die Forscher in die Beine der Bienen, um einen Stich eines Feindes zu simulieren, vibrierten sie sogar 88 Mal häufiger. Je grösser die Bedrohung, desto öfter wiederholten die Bienen den Alarm.

Indem die Bienen auch Kollegen vor einer drohenden Gefahr warnen, schützen sie ihre Kolonie: Honigbienenstämme sind als Staaten organisiert und verhalten sich ähnlich wie mehrzellige Organismen. Jede einzelne Biene unterstützt das Funktionieren des Ganzen. Bisher waren vor allem positive Informationsübermittlungen bekannt, wie zum Beispiel der Bienentanz. Mit dem Warnsignal haben die Forscher nun eine negative Rückkoppelung entdeckt, das die einzelnen Bienen von einer Handlung abhält und so dem Wohl der Kolonie dient.
James Nieh (University of California, San Diego) et al.: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2009.12.060


ddp/wissenschaft.de ? Regula Brassel


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