Warum Enten Muscheln kultivieren sollten

Süßwassermuscheln können Vogelgrippeviren effektiv aus verschmutztem Wasser filtern und sie anschließend unschädlich machen, haben US-Forscher gezeigt. Selbst wenn Vögel die Muscheln fressen, die zuvor in mit den Viren belastetem Wasser gehalten wurden, zeigen sie keine Anzeichen für eine Erkrankung. Da die Übertragung der Krankheit zwischen Wasservögeln durch ins Wasser abgegebene Fäkalien als einer der wichtigsten Faktoren bei der Verbreitung der Vogelgrippe gilt, haben Muscheln vermutlich einen großen Einfluss auf das Risiko für die Vögel, sich zu infizieren ? insbesondere, weil Süßwassermuscheln zum Teil in großen Mengen in Seen und Flüssen vorkommen, berichten Christina Faust von der University of Georgia in Athens und ihre Kollegen.
Viele Muschelarten ernähren sich, indem sie Partikel aus dem Wasser herausfiltern. Dabei nehmen sie auch im Wasser treibende Viren auf und reichern sie nicht selten in ihrem Körper an. Einige der Viren bleiben dabei infektiös, so dass ein Verzehr der Muscheln mit einem hohen Infektionsrisiko einher geht, etwa im Fall von Hepatitis A oder den durchfallerregenden Noroviren. Ob Muscheln aber auch die Erreger der Vogelgrippe wie das Influenza-A-Virus vom Typ H5N1 aus dem Wasser entfernen können, war bislang unklar ? und das, obwohl mittlerweile aus Südostasien eingeschleppte Süßwassermuscheln zum Teil zu Zehntausenden die europäischen und US-amerikanischen Seen und Flüsse bevölkern.

Faust und ihre Kollegen nahmen daher jetzt die Flusskörbchenmuschel, einen typischen Vertreter dieser Muscheln, genauer unter die Lupe: Sie ließen einige der Muscheln in Wasser wachsen, dem entweder eine wenig aggressive Influenzavirus-Variante oder der bekannte Vogelgrippe-Erreger H5N1 zugegeben worden waren. Ergebnis: Bereits nach 24 bis 48 Stunden konnten kaum noch Viren nachgewiesen werden, und die Muscheln schienen die Erreger auch später nicht mehr auszuscheiden. Auch innerhalb des Muschelgewebes fanden die Wissenschaftler keine Viren mehr.

Wie effektiv die Muscheln die Viren beseitigten, zeigte schließlich ein Test mit Brautenten, einer für H5N1-Infektionen sehr anfälligen Vogelart: Wurde den Tieren von den Muscheln gefiltertes Wasser in die Nasen gespritzt, zeigten sie auch Tage später keinerlei Krankheitssymptome. Handelte es sich hingegen um das nicht gefilterte virusbelastete Wasser, starben die Enten. Der Verzehr von Muscheln, die in dem kontaminierten Wasser gehalten worden waren, war hingegen unproblematisch für die Vögel.

Die Körchenmuscheln filtern also nicht nur die Viren aus dem Wasser, sie machen sie auch innerhalb ihres Körpers unschädlich, schließen die Forscher. Bei künftigen Modellen zur Ausbreitung der Vogelgrippe müssten daher nicht nur Eigenschaften des Wassers wie Temperatur, Strömung, pH-Wert und Salzgehalt berücksichtigt werden ? von ihnen ist bekannt, dass sie die Stabilität der Viren beeinflussen. Vielmehr seien auch Faktoren wie die verschiedenen Angehörigen des jeweiligen Ökosystems und ihr Einfluss auf die Viren zwingend zu beachten, so die Forscher.
Christina Faust (Universittät von Georgia in Athens) et al.: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2009.0572

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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