Apnoe-Tauchen schlägt aufs Hirn

Das Apnoe-Tauchen, bei dem Taucher ohne Sauerstoffflasche mehrere Minuten unter Wasser bleiben, ist möglicherweise doch schlechter fürs Gehirn als angenommen: Wenn Taucher ihren Atem über Minuten hinweg anhalten, erhöht dies einen Marker für eine Hirnschädigung im Blut. Dies haben Forscher um Johan Andersson von der Lund-Universität in Schweden in einer Untersuchung mit Apnoe-Tauchern herausgefunden. Wiederholtes minutenlanges Luftanhalten könnte daher auf Dauer zu neurologischen Schäden führen, warnen die Forscher. Allerdings traten die erhöhten Werte nur vorübergehend auf, so dass bislang nicht sicher ist, ob wiederholtes Apnoe-Tauchen tatsächlich dem Gehirn schadet. Dies sollte in weiteren Studien geklärt werden, in denen die Taucher mehrere Jahre lang kontinuierlich untersucht werden, fordern Andersson und sein Team.
Die Forscher untersuchten neun professionelle Apnoe- oder Freitaucher, die in Wettbewerben ihren Atem so lange wie möglich anhalten. Sie sollten sich auf den Rücken legen und ihren Atem so lange wie möglich anhalten. Andersson und sein Team nahmen vor und nach dem Atemstillstand Blutproben und maßen Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut. Diese Messungen wiederholten sie auch in den zwei Stunden nach dem Luftanhalten mehrmals. Im Durchschnitt konnten die Freitaucher fünf Minuten und 35 Sekunden lang die Luft anhalten. Dabei stieg bei sieben der neun Teilnehmer jedoch auch die Menge eines Proteins namens S100B im Blut an, welches eine Hirnschädigung signalisieren kann. Zehn Minuten nach Ende des freiwilligen Atemstillstands war S100B um 37 Prozent erhöht. Zugleich zeigten sich bei den Freitauchern erste Anzeichen einer Erstickung, nämlich ein niedriger Sauerstoff- und ein erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut.

Bei der Kontrollgruppe ? sechs Probanden, die keine Erfahrung im Freitauchen hatten und im Experiment nicht die Luft anhalten mussten ? waren dagegen keine solchen Veränderungen zu beobachten. Allerdings war S100B auch bei den Freitauchern längst nicht so stark erhöht, wie dies bei Patienten mit Hirnschädigungen der Fall ist. Zudem normalisierten sich die erhöhten Werte innerhalb von zwei Stunden wieder, während sie nach der Hirnverletzung bis zu 24 Stunden lang ansteigen können. Die vorübergehend erhöhten Werte weisen allerdings darauf hin, dass Apnoe-Tauchen die Blut-Hirn-Schranke stört. Auf Dauer könnten sich diese Effekte verstärken und zu neurologischen Schädigungen führen, glauben die Forscher.

Freitauchen hat eine jahrhundertelange Tradition und diente früher vor allem dazu, Muscheln, Krebse oder Perlen auf dem Meeresgrund zu sammeln. Inzwischen ist es aber auch zum Wettkampfsport geworden, bei dem die Teilnehmer ihr Lungenvolumen vor den Wettkämpfen intensiv trainieren. Der Weltrekord beim Luftanhalten liegt bei 11 Minuten und 35 Sekunden ? allerdings werden bei solchen Wettbewerben auch 10 Prozent der Teilnehmer disqualifiziert, weil sie die Kontrolle über ihren Körper oder ihr Bewusstsein verlieren.
Johan Andersson (Universität Lund) et al.: Journal of Applied Physiology, doi: 10.1152/japplphysiol.91434.2008

ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein


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