Erinnerungen aus dem Mutterleib

Das Kurzzeitgedächtnis des Menschen entwickelt sich bereits im Mutterleib: 30 Wochen alte Föten können sich Ereignisse bereits mindestens zehn Minuten lang merken, zeigt eine Studie. Die Gehirnstrukturen, aus denen sich das ausgereifte Gedächtnis entwickelt, scheinen also sehr früh angelegt zu werden, obwohl das Gehirn von Kindern sich sehr langsam entwickelt und auch bei der Geburt noch nicht vollständig ausgereift ist. Ein besseres Verständnis der normalen Gehirnentwicklung von Föten könnte helfen, Störungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Therapien zu entwickeln, glauben die Forscher.
Die Wissenschaftler untersuchten das Kurzzeitgedächtnis von rund 100 Föten gesunder, schwangerer Frauen. Als Maß für das Kurzzeitgedächtnis diente ihnen der sogenannte Habituationseffekt. Dieser misst die Anzahl Impulse, die ein Organismus braucht, bis er sich an einen neuen Reiz gewöhnt. Die Reaktion der Föten auf die Reize wurde mit Ultraschall verfolgt, bis diese nicht mehr darauf reagierten. Falls sich der Fötus an einen Reiz erinnert, braucht er in einer zweiten Phase weniger lang, um sich daran zu gewöhnen, lautete die Hypothese der Forscher. Um einen Zeitpunkt für die Entwicklung des Kurzzeitgedächtnisses zu ermitteln, untersuchten die Forscher verschieden alte Föten von 30 bis 38 Wochen.

Schon 30 Wochen alte Föten scheinen ein Kurzzeitgedächtnis zu haben, berichten die Forscher. Wenn sie zehn Minuten nach der ersten Gewöhnung erneut mit dem Reiz konfrontiert wurden, brauchten sie deutlich weniger lang, um sich daran zu gewöhnen. Mit 30 Wochen scheinen sich menschliche Föten also mindestens zehn Minuten lang an ein Ereignis zu erinnern, zeigen die Ergebnisse. Wenn die Forscher dasselbe Experiment mit 34 Wochen alten Föten machten, konnten sich diese sogar vier Wochen nach dem ersten Test noch an den Reiz erinnern.
Jan Nijhuis (Universität in Maastricht) et al.: Child Development, Bd. 80, Nr. 4

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch


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