Was das Space-Shuttle mit dem Tunguska-Ereignis zu tun hat

Ausgerechnet der Abgasstrahl der Space-Shuttles hat US-Forscher jetzt dazu inspiriert, die Ursache des Tunguska-Ereignisses im Jahr 1908 zu überdenken: Sie vermuten nun, dass damals hoch über dem sibirischen Bergland nicht wie bislang favorisiert ein Planetoid, sondern ein Komet explodiert ist. Auslöser für diesen Meinungsumschwung ist das Auftreten von leuchtenden Nachtwolken, Gebilden aus Eiskristallen, die sich in der Atmosphäre in über 85 Kilometern Höhe bilden. Solche Wolken wurden sowohl nach verschiedenen Space-Shuttle-Starts als auch nach der Tunguska-Explosion beobachtet. Das sei nur erklärbar, wenn bei der Explosion ähnlich wie beim Shuttle-Start eine große Menge Wasserdampf in die Atmosphäre gelangt sei ? was die hauptsächlich aus Eis bestehenden Kometen verursachen können, die felsartigen Planetoiden jedoch nicht.
Beim Tunguska-Ereignis Ende Juni 1908 wurden über 2.000 Quadratkilometer Wald zerstört, Fensterscheiben eingedrückt und selbst in weiter Entfernung noch Feuerschein und Druckwellen registriert. Was diese Phänomene allerdings verursacht hat, ist bis heute nicht ganz geklärt ? es gibt keinen Einschlagkrater und keine Meteoriten, die beim Aufklären helfen würden. Forscher vermuten daher, dass der Himmelskörper, was immer er war, bereits in der Atmosphäre explodiert sein muss.

Michael Kelley und sein Team glauben nun, die Antwort auf diese Frage aus den auf die Explosion folgenden Ereignissen ableiten zu können. Tage später begann über Europa der Himmel für mehrere Tage zu leuchten, selbst im über 4.800 Kilometer entfernten Großbritannien. Das, davon ist Studienleiter Kelley überzeugt, müsse auf das Entstehen leuchtender Nachtwolken zurückzuführen sein. Solche Wolken bilden sich normalerweise im Sommer über den Polargebieten in der sogenannten Mesosphäre, in einer Höhe von bis zu 85 Kilometern, und sind damit die höchsten Wolkenformationen der Erde.

Doch auch nach dem Start des Space-Shuttles Endeavour vom 8. August 2007 seien diese Wolken aufgetreten ? und zwar ebenfalls mit einer Verzögerung von einigen Tagen. Sie entstehen, wenn das Shuttle seine Abgas-Fahne ausstößt und so Wasserdampf in die Atmosphäre injiziert. Der Komet müsste demnach etwa in der gleichen Höhe auseinandergebrochen sein und ebenfalls Wasserdampf freigesetzt haben, spekulieren die Forscher. Anschließend wurden die Wasserpartikel vermutlich durch Wirbelströme in der Mesosphäre oder der darüberliegenden Thermosphäre erfasst und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 330 Kilometern pro Stunde vom Ort ihrer Freisetzung weggetragen. Das erkläre, warum die leuchtenden Nachtwolken erst später und weit entfernt vom eigentlichen Ursprungsort aufgetreten seien.
Michael Kelley (Cornell-Universität in Ithaca) et al.: Geophysical Research Letters , Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1029/2009GL038362

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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