Was in der Plazenta steckt

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es mit Hilfe einer neuen Methode zum ersten Mal gelungen, Stammzellen aus der menschlichen Plazenta zu gewinnen. Zudem konnten sie zeigen, dass es dort ein viel größeres Reservoir dieser vielseitigen Zellen gibt als im Nabelschnurblut. Plazentastammzellen haben damit ein hohes Potenzial, Nabelschnurblutstammzellen zu ersetzen. Sie könnten ähnlich wie die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oder aus dem Knochenmark eingesetzt werden, um chronische Blutkrankheiten wie Sichelzellanämie oder Leukämie zu behandeln.
Die Forscher entdeckten zuerst Vorläuferzellen von Blutzellen verschiedener Art in der Plazenta von Mäusen und untersuchten dann, ob sich auch in der menschlichen Plazenta solche Zellen ? sogenannte Blutstammzellen oder hämatopoetische Stammzellen ? befinden. Aus diesen Zellen, die auch im Knochenmark vorkommen, können sich alle Arten von Blutzellen entwickeln. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich in der menschlichen Plazenta tatsächlich eine große Zahl an blutbildenden Zellen befindet, die jene im Nabelschnurblut weit übersteigt. Aus frischem und auch gefrorenem Plazentagewebe entnahmen die Forscher um Serikov solche Stammzellen und konnten daraus auch rote und weiße Blutkörperchen erzeugen. Die Stammzellen seien da, sie seien lebendig, und man könne sie herausnehmen, sagt Frans Kuypers, einer der beteiligten Forscher.

Die Wissenschaftler suchen nun die Zusammenarbeit mit der Industrie, um Kliniken Plazentastammzellen in größeren Mengen zur Verfügung stellen zu können. Sie haben nach eigenen Angaben bereits eine patentfertige Methode entwickelt, mit der Stammzellen sicher entnommen und für Transplantationen verfügbar gemacht werden sollen.

Diese neue Methode würde eine Alternative bieten zur etablierten Methode der Stammzellgewinnung aus dem Knochenmark oder aus dem Nabelschnurblut. Ähnlich wie bei der Knochenmarksspende können Eltern seit einigen Jahren bereits durch öffentliche Stammzellregister das Nabelschnurblut ihres neugeborenen Kindes einfrieren lassen und es für Transplantationen zur Verfügung stellen. Oft reicht die Menge an Zellen in einem Nabelschnurtransplantat allerdings nicht aus, um Krankheiten erfolgreich zu behandeln. Die neuen Ergebnisse lassen hoffen, dass Plazenta in Zukunft als eine weitere alternative Stammzellquelle dienen kann und sich damit die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Stammzelltransplantation erhöht.
Vladimir Serikov (Kinderkrankenhaus in Oakland) et al.: Experimental Biology and Medicine, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.3181/0809-BC-262

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch


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