Die Gentechnik und ihre Gegner

(Foto: bildergala/Fotolia)
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Seit es die Gentechnik gibt, wird sie bekämpft – vor allem in Deutschland. Wer sich öffentlich positiv für die Gentechnik ausspricht, wird meist mit Pfiffen oder einem "Shitstorm" eingedeckt. Doch nun liest man in diesen Tagen, "die Gentechnik ist ein Segen für Umwelt und Bauern". Und plötzlich bleiben die alten Gegner stumm.

Als Charles Darwin im 19. Jahrhundert seine Idee einer biologischen Evolution vorstellte, soll eine kluge und vornehme Frau seine Einsichten so kommentiert haben: "Was? Wir Menschen sollen vom Affen abstammen? Hoffentlich stimmt das nicht. Und wenn es stimmt, hoffentlich erfährt niemand etwas davon. Wir brauchen es ja nicht weiter zu sagen."

Heute kann man sich eine ähnliche Situation unter grünen, zartroten wie dunkelroten PolitikerInnen und hartgesottenen Kulturredakteuren vorstellen, die von der jüngsten Studie der beiden Agrarökonomen Matin Qaim und Wilhelm Klümpner von der Universität Göttingen erfahren. Die FAZ berichtete am 6. November 2014 davon, unter der Überschrift "Die Gentechnik ist ein Segen für Umwelt und Bauern". "Was?", so hört man die besagten kritischen Geister fragen, "die Gentechnik und genveränderte Pflanzen sollen eine gute Sache sein? Hoffen wir, dass das nicht stimmt. Und wenn es stimmt, hoffentlich können wir dafür sorgen, dass es sich nicht herumspricht".

Gute Gentechnik

Tatsächlich herrscht nun großes Schweigen darüber, dass die Gentechnik und ihre Anwendung in Form von DNA-Tests sich nicht als die große Bedrohung der Menschheit entpuppte wie angenommen. Inzwischen bittet selbst ein schlichteste Fernseh-Kommissar nach dem Mord um "die DNA" – wobei ich vermute, dass kaum einer weiß, wie bei dem angeforderten Gentest vorgegangen und was da untersucht wird.

Lassen wir die Erbgutanalyse und blicken auf die Gentechnik, die in der Landwirtschaft eingesetzt wird, in den USA längst im großen Stil. Dort wachsen auf 700.000 Quadratkilometern gentechnisch veränderte Pflanzen, während sich die Deutschen in eine Art Prohibition geflüchtet haben. Gentechnik – so schallt es aus dem Lager der Besserwisser ohne Erfahrung – erhöht das Risiko für den Verbraucher, lässt den Einsatz von Pestiziden steigen und die Einkünfte der Landwirte sinken.

Mehr Ertrag, weniger Pestizide

Offenbar alles falsch, wie die erwähnte Studie der Universität Göttingen nun zeigt. Demnach ernten Landwirte durch den Einsatz von Gentechnik 22 Prozent mehr und benötigen 37 Prozent weniger chemische Pestizide. Und dieses Ergebnis – wenn auch mit anderen Zahlen – gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch in Entwicklungsländern wie Indien, obwohl gerade hier Aktivisten unermüdlich versuchen, dort den Bauern einzureden, sie würden in die Abhängigkeit von Saatgutkonzernen getrieben.

Was so nicht stimmt und zu erkennen wäre, wenn man hinschaut und seine ideologischen Scheuklappen abnimmt. Die Landwirte in den Entwicklungsländern konnten ihren Gewinn im Mittel durch die Umstellung auf gentechnisch veränderte Pflanzen sogar stärker erhöhen als ihre Kollegen in den USA oder in Kanada. Ein Grund dafür steckt in der Tatsache, dass Pflanzenschutz keine einfache Aufgabe ist und in den Entwicklungsländern oftmals nicht ausreichend fachmännisch praktiziert wird. "Mit genveränderten Pflanzen sind weniger Fehler möglich", wie es in der Göttinger Studie heißt. Das verdeutlicht, dass es Unsinn ist anzunehmen, bei gentechnisch veränderten Pflanzen würden größere Mengen an Umweltgift benötigt werden, um das Unkraut zu besiegen. Das Unkraut auf dem Acker lässt sich besiegen – immerhin. Festgefahrene Meinungen im eigenen Kopf zu überdenken, macht mehr Mühe.

 

Ernst Peter Fischer

ist Physiker, Biologe und habilitierter Wissenschaftshistoriker. Er hat mehr als 50 Bücher geschrieben - neben Biographien und Firmengeschichten über Themen, die von Atomphysik bis zu Hirnforschung reichen. "Die andere Bildung" hat eine Auflage von mehr als 100.000 erreicht und ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. 2014 erschien sein Buch "Die Verzauberung der Welt". Darin beschreibt Fischer, wie und warum naturwissenschaftliche Erklärungen die Geheimnisse der Natur nicht aufheben, sondern erst vertiefen.

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