Weltsprache Musik

Musik ist eine Sprache, die anscheinend weltweit verstanden wird: Selbst Angehörige von Naturvölkern, die nie zuvor Kontakt mit westlicher Musik hatten, können die emotionalen Anteile darin auf Anhieb identifizieren. Das schließen Forscher aus einer Studie, in der sie Angehörigen des afrikanischen Volksstammes der Mafa computergenerierte Klaviermusik sowie Tanzmusik aus den vergangenen vier Jahrhunderten vorspielten, darunter Tango- und Rock 'n' Roll-Stücke sowie Werke von Johann Sebastian Bach. Die Mafa konnten die drei Grundstimmungen fröhlich, traurig oder bedrohlich eindeutig zuordnen, berichten die Wissenschaftler um Thomas Fritz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.
"So, wie emotionale Mimik angeboren ist, gibt es anscheinend auch angeborene emotionale Lautmuster", sagt Thomas Fritz gegenüber wissenschaft.de. Deshalb konnten sowohl die Mafa westliche Musik als fröhlich, traurig oder bedrohlich einordnen, als auch umgekehrt westliche Probanden die Musik der Mafa. "Da zeigte sich dasselbe Muster", berichtet der Forscher weiter, "allerdings haben wir in unseren Breiten eine größere Variabilität. Dadurch findet automatisch eine Schulung des Gehörs statt, so dass wir zwischen vielen verschiedenen Feinheiten unterscheiden können, die die Mafa nicht wahrnehmen." Die Mafa-Musik klinge beispielsweise vorwärts und rückwärts abgespult sehr ähnlich. Die Mafa selbst hörten dabei keine signifikanten Unterschiede, wohingegen die westlichen Probanden die Musik als deutlich angenehmer empfanden, wenn sie vorwärts lief.

In den Versuchen zeigte sich auch, dass die Einstufung eines Musikstücks als fröhlich, traurig oder bedrohlich teilweise mit der Geschwindigkeit der Stücke zusammenhängt: Die Mafa empfanden schnelle Stücke tendenziell eher als fröhlich, während langsame Stücke eher als bedrohlich wahrgenommen wurden. Im Gegensatz dazu werden traurige Stücke unabhängig von der Geschwindigkeit als traurig empfunden.

Ob ein Musikstück angenehm klingt, hängt hingegen auch mit dem kulturellen Hintergrund zusammen, stellten die Forscher fest. Sie spielten den Mafa per Tonband zunächst ein einstimmiges Musikstück vor. Dann folgten Aufnahmen, bei denen mehrere Musikstücke übereinandergelegt worden waren, so dass viele Dissonanzen entstanden. Zwar stuften die Mafa genau wie westliche Vergleichsprobanden Dissonanzen im Vergleich zu Harmonien grundsätzlich als unangenehmer ein. Der Unterschied fiel jedoch geringer aus. Nach Aussage der Forscher lag das vor allem daran, dass Musik bei vielen Naturvölkern weniger dem emotionalen Ausdruck dient, als vielmehr der Koordinierung von Ritualen. Dabei gilt: je mehr mitmachen, desto besser. Fritz: "Mafa-Musik ist aufgrund der verwendeten Instrumente wahnsinnig anstrengend zu erzeugen. Wenn sie besonders lang und laut ist und viele Musiker mitmachen, gilt das sozusagen als Kraftdemonstration. Ähnliches haben sie darum auch aus unseren Aufnahmen herausgelesen."
Thomas Fritz (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig) et al.: Current Biology, Bd. 19, Nr. 7

ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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