Unterschätzter Ur-Chinese

 Der Schädel des Peking-Menschen ist 200.000 Jahre älter als gedacht.
Der Schädel des Peking-Menschen ist 200.000 Jahre älter als gedacht.
Der sogenannte Peking-Mensch ist 750.000 Jahre alt ? und damit etwa 200.000 Jahre älter als bislang angenommen. Das haben chinesische Forscher herausgefunden, als sie erstmals die paläontologisch bedeutenden Höhlenfunde datieren konnten, zu denen auch die berühmten Homo erectus-Überreste gehören. Nach den Ergebnissen haben die frühen Menschen auch die damalige, als mild eingestufte Eiszeit hindurch in der Region um das heutige Peking gelebt.
Als Peking-Mensch wird Homo erectus pekinensis bezeichnet. Er gilt als Bindeglied zwischen Homo habilis, der vor 2,2 bis 1,6 Millionen Jahren in Ostafrika lebte, und Homo sapiens, dem modernen Menschen. Sein Name geht auf den Fundort in einer Höhle in Zhoukoudian, einem Stadtbezirk Pekings, zurück. Dort förderte ein internationales Forscherteam zwischen 1921 und 1937 die fossilen Überreste von 45 Hominiden zutage. Die zunächst als Sinanthropus pekinensis bezeichnete Art wird heute dem Homo erectus untergeordnet, da die Funde ähnliche biometrische Merkmale aufweisen. Vor allem das Hirnvolumen fällt auf: Mit durchschnittlich 1.043 Kubikzentimetern ist es deutlich größer als das des Homo habilis, der es auf 600 bis 700 Kubikzentimeter bringt, und nicht mehr weit von den 1.345 Kubikzentimetern eines Homo sapiens entfernt.

Das Alter der Fossilien schätzten Wissenschaftler meist auf 400.000 bis 500.000 Jahre. Dem Team um Guanjun Shen gelang nun erstmals eine eindeutige Datierung. Dabei nutzten die Forscher die sogenannte Aluminium-Beryllium-Methode, mit der zwar nicht das Alter der Knochen selbst bestimmt werden kann, wohl aber das des anhaftenden Sandes: In Quarz, der an der Erdoberfläche lagert und damit der kosmischen Strahlung ausgesetzt ist, stehen die Isotope der beiden Elemente Aluminium und Beryllium in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Wird der Quarz von der kosmischen Strahlung abgeschirmt, in diesem Fall durch die Höhle, nimmt der Anteil der Isotope bedingt durch den radioaktiven Zerfall unterschiedlich schnell ab. Aus der Differenz des normalen Verhältnisses zu dem des fossilen Gesteins lässt sich das ungefähre Alter des Quarzes berechnen.

Die Forscher erwarten, dass dank der Aluminium-Beryllium-Methode künftig auch andere Hominiden-Funde genauer datiert werden können. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zum Aufbau einer durchgängigen Chronologie und zum besseren Verständnis der menschlichen Entwicklung.
Guanjun Shen (Normal University, Nanjing) et al.: Nature, Bd. 458, S. 198

ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht


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