DNA aus dem Neandertal

Eine erste Version des Neandertaler-Erbguts haben Leipziger Forscher vorgelegt: Sie extrahierten DNA aus den Knochen von kroatischen Funden und konnten das Genom des Neandertalers zu 60 Prozent rekonstruieren. Dies reiche aus, um die Neandertaler-Erbanlagen mit dem schon bekannten Genom von Mensch und Schimpanse zu vergleichen und näher zu bestimmen, was den Menschen zum Menschen macht, berichten die Forscher um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Michael Egholm von der beteiligten Sequenzierfirma 454 Life Sciences in Branford, USA. "Besonders interessant beim Genomvergleich von Mensch, Neandertaler und Schimpanse sind die genetischen Anlagen für das Sprachvermögen und die Gehirnentwicklung", sagte Pääbo auf einer Pressekonferenz in Leipzig.
Die Wissenschaftler untersuchten Knochenproben von drei etwa 38.000 Jahre alten Neandertaler-Fossilien aus de Vindija-Höhle in Kroatien. Dabei mussten sie einerseits penibel sicherstellen, dass die Proben nicht mit menschlichem Erbgut, etwa mit Hautschuppen, verunreinigt wurden. Andererseits gelang es ihnen, die Neandertaler-DNA vom Erbgut von Bakterien, die über die Jahrtausende in die Knochen vorgedrungen waren, zu trennen. Insgesamt haben die Forscher mehr als drei Milliarden DNA-Basenpaare sequenziert. Dies entspricht zwar nur rund 60 Prozent des kompletten Genoms, reicht aber aus, um Neandertaler mit seinen nahen Verwandten, den Menschen und Schimpansen unter vielen Aspekten zu vergleichen. Ein halbes Gramm Knochenmaterial reichte den Forscher für die Komplettanalyse.

Vor rund 30.000 Jahren starben die Neandertaler als Seitenlinie in der Entwicklung des Menschen aus. Die Ursachen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Die modernen Menschen hingegen konnten sich mit ihrem Auszug aus Afrika über die ganze Erde verbreiten. Die Forscher wollen im Genom von Neandertaler und Menschen eine Antwort auf die Frage suchen, was die Ursachen dieser unterschiedlichen Entwicklung waren.

So haben die Forscher bereits Genorte für die Sprachfähigkeit und für die Gehirnentwicklung untersucht. Möglicherweise wurden auch Gene des Neandertalers an den Menschen vererbt. Die vorläufigen Ergebnisse deuteten allerdings darauf hin, dass Neandertaler, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Anteil zu der bei den heutigen Menschen gefundenen Varianz beigetragen haben.
Svante Pääbo (MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig) und Michael Egholm (454 Life Sciences, Branford): Presseinformationen der Max-Planck-Gesellschaft.

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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