Entfernt verwandt

Alle Pygmäen-Völker des westlichen Zentralafrikas haben gemeinsame Vorfahren, die vor etwa 2.800 Jahren lebten. Diese Urpygmäen wiederum hatten sich vor etwa 90.000 Jahren von den übrigen Stämmen im westlichen Zentralafrika abgespaltet. Das fanden Forscher heraus, indem sie Genproben verglichen und die Wahrscheinlichkeit für verschiedene Entwicklungsszenarien berechneten.
Pygmäen ist ein schwammiger Begriff und bezeichnet mehrere Jäger- und Sammlervölker, die isoliert im zentralafrikanischen Dschungel leben. Die Stämme wissen oft nichts voneinander und unterscheiden sich stark in Sprache, Kultur und Aussehen. Gemeinsam haben sie lediglich, dass sie relativ klein sind. Bisher war unklar, ob die Pygmäen überhaupt genetisch verwandt sind, erklären die Forscher. Die geringe Körpergröße könnten sie auch unabhängig voneinander entwickelt haben, um sich dem Leben im Urwald anzupassen.

Die Forscher verglichen DNA-Proben aus neun pygmäischen und zwölf nicht-pygmäischen Volksgruppen aus Kamerun und Gabun. Es stellte sich heraus, dass die Pygmäen untereinander kaum verwandt sind. Noch deutlicher unterscheiden sie sich allerdings von den Nicht-Pygmäen. Diese hingegen ähnelten einander stark.

Eine Ausnahme bildeten zwei Pygmäen-Gruppen, die genetisch den Nicht-Pygmäen nahestanden. Die Forscher berechneten nun die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Entwicklungsszenarien, die zu diesen Verwandtschaftsverhältnissen geführt haben könnten. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Pygmäen vor etwa hundert Generation oder 2.800 Jahren von einem einzigen Stamm abspalteten. Dieser Stamm der Urpygmäen hatte sich von den übrigen Stämmen der Region vor fast 90.000 Jahren getrennt, errechneten die Forscher aus den großen Unterschieden zwischen Pygmäen und Nicht-Pygmäen.
Paul Verdu (Musée de l'Homme, Paris) et al.: Current Biology (DOI: 10.1016/j.cub.2008.12.049)

ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke


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