Wie der Schokotrunk nach Nordamerika kam

 Die mysteriösen Tonzylinder aus Pueblo Bonito enthielten ein Kakao-Getränk. Foto: American Antiquity
Die mysteriösen Tonzylinder aus Pueblo Bonito enthielten ein Kakao-Getränk. Foto: American Antiquity
Vor tausend Jahren wurde im heutigen US-Bundesstaat New Mexico Kakao getrunken. Das Genussmittel stammte Anbaugebieten, die mindestens 2.000 Kilometer entfernt liegen. Das folgern Wissenschaftler aus dem Fund von Kakaorückständen in alten Trinkgefäßen aus dem Chaco Canyon in New Mexico. Der Fund liefert Hinweise auf die rituelle Bedeutung der bemalten Tonkrüge und einen weiteren Beleg für ausgedehnte mittelamerikanische Handelsrouten.
Die Forscher untersuchten Scherben von Krügen und zylinderförmigen Gefäßen, deren genauer Zweck bisher unbekannt war. Die Stücke stammten aus Pueblo Bonito im Chaco Canyon, der größten archäologischen Fundstätte in New Mexico. In der Erde an den Scherben fanden die Forscher Theobromin. Dieser dem Koffein nah verwandte Wirkstoff ist ein charakteristischer Bestandteil von Kakao und ist wegen seiner anregenden Wirkung für dessen Beliebtheit mitverantwortlich.

Die Ureinwohner von New Mexico nahmen den Kakao in Getränkeform zu sich, schließen die Forscher aus der Tatsache, dass sich die Theobromin-Rückstände nicht direkt in den Scherben und in der Erde fanden und aus der Form der Gefäße. Möglicherweise wurde das Getränk nach ähnlichen Rezepten zubereitet, wie sie auch die mittelamerikanischen Könige verwendeten: gemahlene Kakaosamen, kaltes Wasser, Maismehl, Chilipulver und einige andere Gewürze.

Im Mexiko der Azteken und Mayas hatte Kakao einen hohen kulturellen Stellenwert. Eine klassische Maya-Malerei zeigt, wie eine Frau das Kakaogetränk aus einer Vase in eine andere gießt, um ihn vor dem Servieren aufzuschäumen. Die Zylindergefäße aus Pueblo Bonito könnten ähnlichen Riten gedient haben.

Die Forscher belegen mit ihrer Untersuchung außerdem, dass die eingeborenen Völker Kakao über weite Strecken handelten: Mindestens 2.000 Kilometer beträgt die Entfernung von Veracruz, nahe dem heutigen Mexico City, bis Pueblo Bonito. Vielleicht stammt der Kakao sogar aus noch südlicheren Anbaugebieten. Für diese Reise standen wohlgemerkt weder Lasttiere noch Fahrzeuge zur Verfügung standen ? der Transport erfolgte zu Fuß.
Patricia Crowna (Universität New Mexico) und Jeffrey Hurst (Hershey Center for Health and Nutrition): PNAS (DOI: 10.1073/pnas.0812817106)

ddp/wissenschaft.de ?Martin Rötzschke


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