Stimmige Vorlieben

Frauen bevorzugen in der Stillperiode höhere Männerstimmen. Das haben amerikanische Anthropologen herausgefunden, als sie Frauen des Jäger- und Sammler-Volkes der Hadza in Tansania Tonbänder mit Stimmaufnahmen vorspielten. Laut den Ergebnissen verschiebt sich bei Frauen die Vorliebe von tieferen Stimmlagen potenzieller Ehemänner zu höheren Stimmen, wenn sie einen Säugling mit ihrer Brust aufziehen, schreiben die Wissenschaftler der Hardvard-Universität.
Die Jäger und Sammler des Hadza-Volkes leben von Massenmedien isoliert im Norden Tansanias. Dadurch sind sie kaum von durch die Medien vorgegebene Rollenbilder beeinflusst. In ihren Experimenten spielten die Wissenschaftler 46 Männern und 42 Frauen des Stammes Tonaufnahmen von verschiedenen Stimmen vor. Bei jeder dieser aufgenommenen Stimmen wurde mit Hilfe eines Computerprogramms die Stimmlage künstlich erhöht und erniedrigt, um ein und dieselbe Stimme in hoher und in tieferer Lage besser vergleichen zu können. Die Versuchsteilnehmer mussten sich dann entscheiden, welche der beiden Stimmen sie als Heiratspartner eher in Betracht ziehen würden.

Bei der Analyse der Daten stellte sich heraus, dass nicht stillende Frauen unabhängig von ihrem Alter tiefere Männerstimmen bevorzugen. Die tieferen Stimmlagen gelten als Signale für Dominanz und gute Gene. Demnach haben die Frauen der Hadza in ihren fruchtbaren Zeiten eine Schwäche für Männer mit sonorer Stimme. Im Gegensatz dazu waren bei den stillenden Müttern höhere Stimmlagen besonders gefragt. Diese gelten als Zeichen für väterlichen Einsatz.

Die Neigung der Frauen für tiefe oder hohe Stimmen könnte demnach von der Fruchtbarkeit abhängen, sagt Apicella. Die Männer des Hadza-Stammes bevorzugten generell höhere Frauenstimmen, da diese für Fruchtbarkeit stehen. Doch nicht nur bei der Partnerwahl spielt die Stimmlage eine Rolle: Sowohl die Männer als auch die Frauen des Volkes attestierten Männern mit tiefen Stimmen gute Jägereigenschaften.

Die menschliche Stimme zählt neben dem Gesicht und dem Körperbau zu den wesentlichen Merkmalen, die einen Mensch attraktiv erscheinen lassen. Wie frühere Studien bereits gezeigt hatten, assoziieren Frauen mit tiefen Männerstimmen häufig Attribute wie Kraft, Ausdauer und Risikobereitschaft.
Coren Apicella (Harvard-Universität) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2008.1542

ddp/wissenschaft.de ? Stefan Pröll


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