Lamafleisch mit Algen

 Zwischen Resten von Zelten und Hütten fanden Forscher Algenreste von weit entfernten Stränden. Bild: Tom D. Dillehay
Zwischen Resten von Zelten und Hütten fanden Forscher Algenreste von weit entfernten Stränden. Bild: Tom D. Dillehay
Algen, Muscheln, Nüsse, wilde Kartoffeln, Lama- und Elefantenfleisch ? so sah die Kost der ersten Bewohner Amerikas aus. Neue Funde aus der 14.000 Jahre alten Fundstätte Monte Verde in Südchile belegen, dass Meeresfrüchte ein wichtiger Teil der Ernährung der Bewohner waren ? obwohl sie 90 Kilometer entfernt von der Küste wohnten. Das deutet darauf hin, dass die Besiedlung Nordamerikas wahrscheinlich entlang der Pazifik-Küste erfolgte, berrichten Forscher um Tom Dillehay von der Vanderbilt-Universität in Nasville.
Seit langem rätseln Archäologen darüber, wann die ersten Menschen von Asien aus nach Amerika gelangten, und wie sie den Doppelkontinent besiedelten. Lange wurde angenommen, dass die Ureinwohner Amerikas vor 13.000 Jahren, gegen Ende der Eiszeit, über die Beringstraße nach Alaska gelangten. Die sogenannte Clovis-Kultur breitete sich blitzartig über Nord- und Südamerika aus, ältere menschliche Überreste waren lange unbekannt.

Inzwischen wird aber angenommen, dass schon vor 16.000 Jahren Menschen nach Amerika kamen. Der stärkste Beweis dafür ist die Fundstätte von Monte Verde: Das Alter der unter einem Moor gefundenen Siedlungsreste wurde 1997 auf 14.600 Jahre bestimmt. Auch die neuen Untersuchungen von Dillehay und seinen Kollegen bestätigen das hohe Alter: Die Überreste der neun Algenarten, die die Forscher unterscheiden konnten, waren rund 14.000 Jahre alt.

Die Siedlung von Monte Verde lag vor 14.000 Jahren etwa 130 Meter über dem Meeresspiegel an einem kleinen Fluss, ungefähr 15 Kilometer von einem Meeresarm entfernt. Einige der Algen stammten wahrscheinlich aus diesem Fjord. Andere Pflanzen, so nehmen die Forscher an, müssen jedoch an Sandstränden gesammelt worden sein. Dafür mussten die Ur-Amerikaner etwa 90 Kilometer weit laufen. Da sich die Algenreste in der Nähe von Kochstellen und an Werkzeugen fanden, nehmen die Forscher an, dass die Meerespflanzen als Nahrung dienten. Gekaute Algenballen könnten aber auch als Medizin gedient haben, schreiben sie.

Die Funde belegen, dass die urzeitlichen Jäger und Sammler sowohl marine als auch terrestrische Ökosysteme als Nahrungsquelle nutzten und dadurch das ganze Jahr in Monte Verde überleben konnten, schreiben die Forscher. Die Ur-Amerikaner der ersten Welle hätten sich wahrscheinlich langsamer über den Kontinent ausgebreitet als die nachfolgende Clovis-Kultur, weil sie sowohl im Landesinneren jagten, als auch an der Küste nach Nahrung suchten. Die Beweise für die Theorie sind allerdings spärlich: Überreste vieler Küstensiedlungen dürften vom Meer zerstört worden sein. Vor 14.000 Jahren lag der Meeresspiegel etwa 60 Meter niedriger als heute.
Tom Dillehay (Vanderbilt University, Nasville) et al.: Science, Bd. 320, S. 784

Ute Kehse


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