Was die Hobbits - möglicherweise - schrumpfen ließ

Australische Forscher haben eine neue These zu den berühmten Zwergmenschen von der indonesischen Insel Flores aufgestellt: Die Kleinwüchsigen, häufig auch Hobbits genannt, seien keine eigene Menschenart, sondern moderne Menschen, die wegen einer Mangelernährung der Mütter mit Kretinismus geboren wurden. Eine Unterversorgung mit Jodsalz und Selen könne zur Entwicklung von Föten ohne funktionierende Schilddrüse führen, was wiederum Zwergenwuchs und eine verringerte Hirngröße hervorrufe, so die Forscher. Die körperlichen Merkmale dieser Art von Kretinismus glichen den Knochenfunden von der Insel Flores in hohem Maße, berichten Peter Obendorf von der Universität in Melbourne und seine Kollegen.
Als Forscher im Jahr 2004 erstmals die Knochen eines kleinwüchsigen Menschen auf Flores entdeckten, der vor etwa 18.000 Jahren verstorben war, wiesen sie ihm eine eigene Art zu, die sie Homo floresiensis nannten. Seitdem wird heftig debattiert, ob diese Zuordnung korrekt ist. Andere Wissenschaftler glaubten, dass es sich bei den Überresten eher um einen Homo sapiens handele, der an Mikrozephalie litt, einer Verkleinerung von Schädel und Gehirn. Obendorf und seine Kollegen haben nun die These aufgestellt, dass die Flores-Menschen an einem angeborenen Jodmangelsyndrom des myxödematösen Typs litten. Bei dieser Krankheit produziert die Schilddrüse zu wenig Thyroxin, wodurch sich der gesamte Stoffwechsel verlangsamt. Das Zentralnervensystem entwickelt sich verzögert, und es treten Skelettmissbildungen auf, zum Beispiel verkürzte Extremitäten und Zwergenwuchs.

Um Belege für ihre Theorie zu finden, untersuchten die Forscher die Knochen moderner Menschen, die an dieser Krankheit gelitten hatten. Tatsächlich fanden sie viele Übereinstimmungen zu den Merkmalen der Skelette von Flores, unter anderem eine Vergrößerung der mittleren Schädelgrube, primitive Handgelenksformen und vordere Backenzähne mit doppelter Wurzel. Eine Theorie, wie diese Art von Kretinismus auf der Insel entstanden sein könnte, haben die Wissenschaftler ebenfalls: Da die Flores-Menschen im Binnenland der Insel lebten, hatten sie Wege von über 25 Kilometern zur Küste und ernährten sich daher wahrscheinlich von salzarmen Süßwasserfischen und Pflanzen des Waldes. In Afrika haben Forscher zudem festgestellt, dass der Konsum von Giften wie etwa dem der Maniokpflanze, die auch auf indonesischen Inseln wächst, die Häufigkeit von Kretinismus erhöht.

Zusammen mit dem Jodmangel halten die Forscher dies für eine ausreichende Erklärung der kleinen Skelette. Dass nur die Überreste dieser Zwerge und keiner normalgroßen Menschen auf Flores erhalten blieben, schreiben Obendorf und sein Team der damaligen Gesellschaft zu: Die Jäger und Sammler ließen die langsamen Kleinwüchsigen zurück, die sich in Höhlen zurückzogen und dort schließlich allein starben. Die Toten ihrer eigenen Gruppe hingegen begruben die Jäger und Sammler, weshalb keine Spuren mehr von ihnen zu finden sind.
Peter Obendorf (Universität Melbourne) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2007.1488

ddp/wissenschaft.de ? Livia Rasche


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