Reisetagebuch im Haar

Eine Analyse von im Haar eingebauten Sauerstoff- und Wasserstoffatomen kann verraten, wo sich der betreffende Mensch in der letzten Zeit aufgehalten hat. Dies funktioniert, weil beide Elemente schwere und leichte Varianten haben, deren Verhältnisse zueinander sich oft unterscheiden, zum Beispiel auch in Wasserkörpern. Nimmt ein Mensch daher Trinkwasser in einer bestimmten Gegend auf, wird die Signatur genau dieses Wassers in seine Haare eingebaut. Je nach Länge des Haares können die Aufenthaltsorte des Betreffenden in den vergangenen Jahren ermittelt werden, haben James Ehleringer von der Universität in Salt Lake City und seine Kollegen herausgefunden.
Schwere und leichte Varianten ein und desselben Atoms werden Isotope genannt. Sowohl Sauerstoff als auch Wasserstoff haben verschiedene Isotope, was bedeutet, dass Wasser in jeder Form ? flüssig, gasförmig, gefroren ? einmal schwerer und einmal leichter vorkommen kann. Das Wasser im Ozean zum Beispiel ist relativ schwer, da leichte Isotope eher verdunsten und die schweren zurückbleiben. Aus diesem Grund ist das Wasser in Wolken im Vergleich dazu leichter. Ziehen die Wolken nun landeinwärts, regnen wiederum zuerst die schweren Isotope ab. Da das Grundwasser aus Regen gespeist wird, wird es ebenfalls isotopisch leichter, je tiefer es im Binnenland liegt.

Diesen Umstand machten sich Ehleringer und seine Kollegen zunutze. Sie sammelten in 65 amerikanischen Städten Haar- und Wasserproben und analysierten diese. Tatsächlich fand sich das Isotopenverhältnis des lokalen Trinkwassers in den Haaren wieder. Dies, so Ehleringer, liege daran, dass viele Getränke wie Bier, Milch oder Softdrinks vor Ort hergestellt würden. Tränken alle Menschen nur Perrier aus Frankreich, würde die Methode nicht funktionieren.

In der Praxis erprobt ist die neue Technik ebenfalls schon: Die amerikanische Polizei hatte die Haare eines Mordopfers analysieren lassen, von dem sonst nur Knochen übriggeblieben waren. Auf diese Weise hofften sie herauszufinden, wo die Unbekannte die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hat. Der Ansatzpunkt des Haares am Kopf zeigt dabei den letzten Aufenthaltsort an. Da bekannt ist, wie schnell Haare wachsen, können auch die Aufenthaltsorte davor relativ genau mit Datum angegeben werden.

Ehleringer kann sich aber durchaus auch andere Anwendungen für seine Erfindung vorstellen: Zum Beispiel könne das Alibi eines Kriminellen überprüft werden. Behauptet dieser, während eines Verbrechens außer Landes gewesen zu sein, könnte eine Haarprobe dies bestätigen oder widerlegen. Die Haaranalyse könnte auch für Archäologen nützlich sein, um Wanderbewegungen von Völkern nachzuverfolgen, oder für Biologen, die die Routen von Tieren bestimmen möchten.
James Ehleringer (Universität in Salt Lake City) et al.: PNAS, Band 105, S. 2788

ddp/wissenschaft.de ? Livia Rasche


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