Der Schwindsucht auf der Spur

 Schäden am Schädelknochen eines Homo erectus deuten auf die Erkrankung an Tuberkulose. Bild: Marsha Miller, Universität von Texas, Austin
Schäden am Schädelknochen eines Homo erectus deuten auf die Erkrankung an Tuberkulose. Bild: Marsha Miller, Universität von Texas, Austin
Schon vor 500.000 Jahren erkrankten Menschen an Tuberkulose. Darauf deutet der Schädel eines Urmenschen der Art Homo erectus hin, bei dem ein internationales Forscherteam charakteristische Spuren für diese Krankheit gefunden hat. Der Schädel aus einer Fundstätte in der westlichen Türkei stammt nach den Ergebnissen der Forscher um John Kappelman von einem jungen Mann.
Die Wissenschaftler fanden am Schädel des Mannes eine ganze Reihe kleiner Verletzungen, deren Form und Lage für eine bestimmte Ausprägung der Tuberkulose typisch sind. Vermutlich befanden sich die frühen Menschen zu jener Zeit vor 500.000 Jahren noch auf ihrem Wanderzug von Afrika in den Norden. Die Forscher vermuten daher einen Zusammenhang zwischen der Infektion und der Hautfarbe: Der Homo erectus war noch dunkelhäutig und konnte dadurch nur wenig Vitamin D produzieren, da das dunkle Hautpigment Melanin die ultravioletten Strahlen der Sonne blockiert. Diese UV-Strahlung regt in der menschlichen Haut die Produktion von Vitamin D an, das dem Immunsystem bei der Abwehr von Infektionen hilft. Auf den Weg in den Norden, wo die Intensität der UV-Strahlen geringer ist, fiel dieser Mangel besonders stark ins Gewicht.

Bislang gingen die meisten Forscher davon aus, dass die Tuberkulose erst seit wenigen tausend Jahren die Menschheit plagt. Früheste Nachweise gab es in ägyptischen und peruanischen Mumien. Ob Tuberkulose die einzige mögliche Ursache für die kleinen Verletzungen am Schädel ist, sollte daher genauer überprüft werden, erklären die Wissenschaftler. Andere Forscher hatten allerdings auf Basis genetischer Studien vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass der Urahn der Tuberkulosebakterien schon vor rund drei Millionen Jahren entstanden sein könnte. Seit dieser Zeit habe er sich dann parallel zu den Menschen entwickelt.
Mitteilung der Universität von Texas, Austin

Originalarbeit: John Kappelman (Universität von Texas, Austin) et al.: American Journal of Physical Anthropology, Ausgabe vom 7. Dezember

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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