Hobbit gegen moderner Mensch, nächste Runde

Wer lebte vor 18.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores? Gewöhnliche Steinzeitmenschen, glaubt ein amerikanisches Forscherteam um Robert Martin vom Field Museum für Naturkunde in Chicago. Das 2004 gefundene Skelett der Zwergin "Flo" gehöre nicht zu einer neuen Menschenart, sondern stamme von einem modernen Menschen mit krankhaft verkleinertem Gehirn.
Seitdem in der Höhle Liang Bua auf Flores 18.000 Jahre alte menschliche Knochen, darunter ein ungewöhnlich kleiner Schädel, gefunden wurden, tobt unter den Anthropologen ein Streit: Die Gruppe, die die Fossilien entdeckte, hält die Fossilien für Überreste einer eigenständigen Vormenschenart, des Homo floresiensis. Die Hominiden hätten die Insel Flores schon vor 800.000 Jahren erreicht und seien dort wegen des schlechten Nahrungsangebots im Laufe der Zeit zu Liliputanern geschrumpft. Der gefundene Schädel hat nur etwa die Größe eines Schimpansen. Die erwachsene Frau, zu der der Schädel gehörte, dürfte etwa 1,06 Meter groß gewesen sein.

Nun untermauern Martin und seine Kollegen die Gegentheorie, derzufolge es nie einen Homo floresiensis gab. Das Team untersuchte Flos Schädelform, weitere anatomische Merkmale und die in der Höhle gefundenen Steinwerkzeuge. Das Team kommt zu dem Schluss, dass Flo zur Art Homo sapiens gehörte, aber unter Mikrozephalie litt, einem krankhaft verkleinerten Gehirn. Es gebe beim modernen Menschen insgesamt 400 verschiedene Formen dieser Krankheit mit unterschiedlichen Begleiterscheinungen. Typisch sei zum Beispiel Flos fliehendes Kinn. Einige Formen der Mikrozephalie gehen mit einer geringen Körpergröße einher, und die Betroffenen können durchaus das Erwachsenenalter erreichen, schreiben die Forscher.

Auch die anderen in der Höhle gefundenen Knochen stammen von kleinwüchsigen Menschen. Martin und Kollegen zufolge ist es durchaus möglich, dass es sich bei der Mikrozephalie um eine Erbkrankheit handelte, die in der Bevölkerung von Flores verbreitet war.

Die in der Höhle gefundenen Steinwerkzeuge stammen nach der Analyse des Forscherteams eindeutig vom Homo sapiens. Die ursprüngliche Deutung, dass es sich um Werkzeuge handelt, die für den Vormenschen Homo erectus typisch sind, können die Forscher nicht bestätigen. Mitverfasser James Philipps von der Universität von Illinois: "Die Steinwerkzeuge wurden mit einer fortgeschrittenen Technik hergestellt, die man nur vom modernen Menschen und vom Neandertaler kennt."
Robert Martin (Field Museum für Naturkunde, Chicago) et al.: The Anatomical Record Part A, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1002/ar.a.20389

Ute Kehse


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