Not macht zivilisiert

Starke Klimaveränderungen könnten die Menschen in der Vergangenheit zur Zusammenarbeit gezwungen und so die Entwicklung von Hochkulturen angestoßen haben. Das folgert der britische Archäologe Nick Brooks aus Untersuchungen früher Kulturen. So könnten die ungünstigen Lebensbedingungen nach dem Klimawandel vor 3.000 Jahren, der auch zur Bildung der Wüste Sahara führte, dem Wissenschaftler zufolge die Initialzündung für die praktisch zeitgleiche Bildung von Hochkulturen im heutigen Libyen, in Ägypten und China gewesen sein.
Brooks entwickelte seine Theorie ausgehend von seinen Untersuchungen der antiken Hochkultur der Garamanten im heute libyschen Teil der Wüste Sahara. Archäologische Funde belegen, dass diese Zivilisation entstand, während sich die Lebensbedingungen in der Region dramatisch verschlechterten. Vor 3.000 Jahren begann die einst grüne Landschaft auszutrocknen, und der Lebensraum der Menschen reduzierte sich auf kleine Gebiete rund um die übriggebliebenen Wasserstellen. Die verknappten Ressourcen zwangen jetzt die Menschen, sich miteinander zu arrangieren und zusammenzuarbeiten, sagt Brooks. In der Folge organisierten die Garamanten ihre Landwirtschaft, entwickelten ausgeklügelte Bewässerungssysteme und religiöse Strukturen.

Ähnliche Entwicklungen gab es nach Aussagen von Brooks überall auf der Erde. Das Reich der alten Ägypter vereinigte sich ebenfalls zu dieser Zeit, und auch in China und im Süden Asiens bildeten sich städtische Kulturen. Der Antrieb zur Bildung dieser Zivilisationen war dabei allerdings nicht die höhere Lebensqualität, sagt Brooks. Die meisten Menschen mussten sogar mehr arbeiten als zuvor, und unterschiedliche soziale wie wirtschaftliche Schichten trennten in den großen Gemeinschaften die Bevölkerung.

Bisher hatten viele Forscher angenommen, dass die Menschen eher in Zeiten des Überflusses die Möglichkeit hatten, eine Zivilisation zu entwickeln. Auch standen Klimaänderungen eher im Ruf, Zivilisationen zu zerstören, wie beispielsweise frühe Kulturen in Peru oder die Maya in Mexiko. Im Gegensatz dazu betont Brooks nun eine mögliche schöpferische Wirkung der Klimaänderungen in der Menschheitsgeschichte.
Nature, Online-Dienst

Originalarbeit: Nick Brooks (University of East Anglia, Norwich): Quaternary International, Bd. 151, S. 29

ddp/wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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