Modeschmuck à la Steinzeit

 Die beiden perforierten Muscheln aus Israel aus unterschiedlichen Blickrichtungen; der Balken entspricht einem Zentimeter. (Foto: Marian Vanhaeren/Francesco d'Errico)
Die beiden perforierten Muscheln aus Israel aus unterschiedlichen Blickrichtungen; der Balken entspricht einem Zentimeter. (Foto: Marian Vanhaeren/Francesco d'Errico)
Bereits vor 100.000 Jahren schmückten sich Menschen mit Muscheln. Das schließen Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams aus der Analyse von Muscheln aus Israel und Algerien. Die insgesamt drei Fundstücke waren bereits vor mehr als sechzig Jahren ausgegraben worden und schlummerten seither in den Archiven des Naturgeschichtlichen Museums in London und des Musée de l´Homme in Paris. Die frühesten bisher bekannten Funde von Muscheln als Schmuck stammen aus Südafrika und sind etwa 75.000 Jahre alt.
Die drei Muscheln sind in der Mitte mit Bohrungen versehen, an denen sie wahrscheinlich aufgefädelt werden konnten. Entdeckt hatten sie Ausgräber bereits in den Dreißiger- und Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Eine genaue Altersbestimmung nahmen jedoch erst jetzt die Wissenschaftler um Marian Vanhaeren vor: Die Forscher rekonstruierten aus den alten Aufzeichnungen die Fundorte der Muscheln, begutachteten die geologische Formation, bewerteten Steinwerkzeuge, die gleichzeitig mit den Muscheln gefunden worden waren und nutzten Daten aus der Radiokarbonmethode. Für beide Fundstellen kamen die Forscher dabei auf ein Alter von etwa 100.000 Jahren.

Diese Funde des bisher bekannten ältesten Schmucks zeigten, dass der moderne Mensch in Afrika bereits sehr früh Verhaltensweisen zeigte, die auf eine kulturelle Entwicklung hindeuten, erklären die Forscher. Bisher vermuteten die meisten Wissenschaftler diese ersten Zeichen menschlicher Kultur mit Schmuck, Malerei, Kunst und Musik erst vor etwa 40.000 Jahren. Diese Ansicht kam vor zwei Jahren mit dem Fund der 75.000 Jahre alten Muscheln aus Südafrika erstmals ins Wanken.

Auch wenn es sich nur um drei Muscheln handelt, glauben die Forscher an die Aussagekraft ihrer Fundstücke. Allein die Tatsache, dass die in Algerien entdeckten Muscheln vom 200 Kilometer entfernten Meer an den Fundort gebracht wurden, deute auf eine besondere ideelle Bedeutung der Schalen hin.
Marian Vanhaeren (University College, London) et al.: Science, Bd. 312, S. 1785

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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