Schon wieder Streit um die Hobbits

Um den inzwischen bereits legendären "Hobbitmenschen" von der indonesischen Insel Flores ist unter Wissenschaftlern ein heftiger Streit entbrannt: Forscher des Field Museums in Chicago wollen mehrere stichhaltige Argumente gefunden haben, nach denen das vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbene gnomenhafte Wesen doch keiner eigenen Menschenart angehörte. Ein Schädel und weitere Knochen eines Vertreters dieser Homo floresiensis genannten Art waren 2003 entdeckt worden und sind seitdem Gegenstand intensiver Forschung. Laut Robert Martin und seinen Kollegen handle es sich beim Hobbitmenschen vielmehr um einen modernen Menschen, der unter einer krankhaften Verkleinerung des gesamten Körpers einschließlich des Schädels litt.
Für zahlreiche Wissenschaftler war die Einordnung des Hobbitmenschen, über den im Herbst 2004 erstmals berichtet wurde, in eine eigene Art von Anfang an fraglich: Sie sahen in den von den Entdeckern nur mit viel Mühe konservierten morschen Knochen die Überreste eines modernen Menschen, der an der so genannten Mikrozephalie litt. Bei dieser Krankheit ist das Gehirn und häufig auch andere Gliedmaßen extrem verkleinert.

Das glauben auch Martin und seine Kollegen und führen dabei das sehr geringe Hirnvolumen des Hobbitmenschen an. Dieses deute nicht darauf hin, dass sich das zwergenhafte Wesen in der Abgeschiedenheit der Insel aus einem größeren menschlichen Vorfahren entwickelt hat, schreiben die Forscher. Ein solches evolutionäres Schrumpfen wird zwar bei vielen Tierarten in abgelegenen Gegenden mit geringem Nahrungsangebot immer wieder beobachtet, doch ist das Gehirn von der Verkleinerung meist kaum betroffen. Das Gehirnvolumen des Hobbitmenschen sei für eine solche Entwicklung definitiv zu klein, erklärt Martin.

Hauptkritikpunkt der Forscher ist jedoch das Verfahren, mit dem US-Wissenschaftler im März 2005 die Möglichkeit einer solchen Mikrozephalie ausgeschlossen und den Hobbitmenschen gleichzeitig als direkten Nachkommen des Homo erectus und damit als eigene Art eingeordnet hatten: Die Wissenschaftler um Dean Falk von der Staatsuniversität von Florida in Tallahassee hatten dazu die Gehirne mehrerer Frühmenschenarten und -gattungen sowie den Schädel eines Menschen mit Mikrozephalie miteinander verglichen. Da dieser Schädel jedoch von einem 10-jährigen Kind stammte und zudem schlecht erhalten war, seien die Ergebnisse der Untersuchung nicht tragfähig, argumentieren Martin und seine Kollegen. Die Einordnung als eigene Menschenart sei verfrüht und durch das große Medienecho beeinflusst gewesen, das der Fund damals auslöste, kritisieren die Wissenschaftler. Dean Falk und ihre Kollegen weisen diese Kritik hingegen heftig zurück.
Robert Martin ( Field Museum, Chicago) et al.: Science (19. Mai)

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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