Affenartiges Teamwork

Schimpansen helfen in manchen Situationen uneigennützig, haben Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausgefunden. Die Affen hoben heruntergefallene Gegenstände für ihren Pfleger auf, ohne dafür belohnt zu werden. In ähnlichen Tests zeigten 18 Monate alte menschliche Kleinkinder eine noch ausgeprägtere Hilfsbereitschaft als die Tiere. Schimpansen können zudem erkennen, in welchen Situationen sie auf die Hilfe eines Artgenossen angewiesen sind. In solchen Fällen holen sie sich gezielt Unterstützung von Partnern, die sie bereits in der Vergangenheit als zuverlässige Helfer kennengelernt haben.
Felix Warneken und Michael Tomasello untersuchten zunächst, wie 24 anderthalb-jährige Kinder in insgesamt zehn verschiedenen Situationen reagierten, bei denen ein fremder Erwachsener Schwierigkeiten hatte. Beispielsweise schauten die kleinen Probanden zu, wie jemand vergeblich versuchte, nach einer heruntergefallenen Wäscheklammer zu greifen. Daraufhin hoben die meisten Kinder die Klammer für den scheinbar Hilflosen auf. Warf der Erwachsene dagegen einen Gegenstand achtlos weg, so blieb die Hilfe der Kinder aus.

Selbst Kleinkinder können die Ziele anderer verstehen und tragen schon Altruismus in sich, schlossen die Forscher. Ein ähnliches, wenn auch wesentlich schwächer ausgeprägtes Verhalten zeigten drei junge Schimpansen in vergleichbaren Tests: Auch die Tiere überreichten ihrem Pfleger Gegenstände außer Reichweite ohne Belohnung, allerdings versagte ihre selbstlose Hilfe in komplexeren Situationen.

Im Gegensatz hierzu hatten vorherige Studien durchaus egoistische Züge bei Schimpansen nachgewiesen: Bei diesen Tests entschieden Affen ohne eigenen Vorteil, ob Artgenossen Zugang zu Futter hatten oder leer ausgingen. Alle Tiere verweigerten ihren Artgenossen die Nahrung. Mit diesen vorherigen Erkenntnissen und ihrer eigenen Studie kamen Warneken und Tomasello zu dem Ergebnis, dass sich der äffische Altruismus wahrscheinlich auf Situationen beschränkt, in denen es nicht um Futter geht.

In der zweiten Studie testeten Wissenschaftler um Alicia Melis, wie gut Schimpansen zusammenarbeiten können. Dazu musste ein Affe an zwei Seilenden gleichzeitig ziehen, um an einen Futterbehälter zu gelangen. Außerdem hatte er die Möglichkeit, eine Tür zu öffnen und sich somit einen Artgenossen als Zugpartner für ein Seilende zu holen. Konnte ein Schimpanse beide Seilenden erreichen, so entschied er sich, mit dem gesamten Futter allein zu bleiben. Hingen die Enden jedoch zu weit auseinander, ließ er einen Artgenossen zu sich. Außerdem zeigten sich in diesem Test manche Affen sehr kooperativ, andere dagegen halfen gar nicht. Nachdem ein hungriges Tier Erfahrungen mit den verschiedenen Partnern gesammelt hatte, wählte es viel häufiger den zuverlässigsten Unterstützer aus.

Aus den Ähnlichkeiten zwischen Schimpansen und Menschen in punkto Altruismus und Zusammenarbeit schließen beide Forscherteams, dass der gemeinsame Vorfahr beider Spezies wahrscheinlich schon solche Qualitäten besessen hat.
Felix Warneken und Michael Tomasello (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig): Science, Bd. 311, S.1301, DOI: 10.1126/science.1121448

Alicia Melis, Brian Hare und Michael Tomasello (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig): Science, Bd. 311, S.1297, DOI: 10.1126/science.1123007


ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann


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