X statt O

Sie hatten große Zähne, einen dicken Schädel, starke Kaumuskeln und ein kleines Gehirn. Doch nicht nur der Kopf, auch die Beine einiger Vormenschen-Arten unterschieden sich deutlich vom modernen Menschen, berichten Daniel Gebo und Gary Schwartz in der Zeitschrift American Journal of Physical Anthropology: Die Australopithecinen hatten X-Beine.
Gebo und Schwartz untersuchten die Fußknöchel einiger Vormenschenarten, die vor zwei bis drei Millionen Jahren in Afrika lebten, und verglichen diese mit denen von modernen Menschen, Schimpansen und Gorillas. Einige der Knochen, die bislang als Übergangsstadium zwischen Mensch und Affen angesehen wurden, waren bereits sehr menschenähnlich. Sie belegen nach Ansicht der Forscher, dass die Vormenschen sich bereits wie Menschen aufrecht auf zwei Beinen fortbewegten.

Allerdings entwickelte der Australopithecus einige Variationen beim Thema aufrechter Gang. Die Analyse der Knöchel zeigte, dass die Schienbeinknochen bei einer Australopithecus-Art deutlich nach innen zeigten. "Sicherlich war ihre Art sich fortzubewegen nicht so effektiv wie unser heutiger Gang, aber vielleicht hatten sie ja dadurch andere evolutionäre Vorteile", sagt Schwartz.

Die Analyse zeigte den Forschern außerdem, dass sich der aufrechte Gang nur einmal in der Linie der Vormenschen entwickelte und nicht bei mehreren Arten unabhängig voneinander entstand. "Der Knochenbau musste stark modifiziert werden, damit die Menschen auf zwei Beinen laufen konnten", so Schwartz, "es ist unwahrscheinlich, dass sich die Zweibeinigkeit mehrmals unabhängig voneinander entwickelt hat."
Daniel Gebo (Northern Illinois University), Gary Schwartz (Arizona State University): "Foot bones from Omo: Implications for hominid evolution", American Journal of Physical Anthropology, April 2006

Ute Kehse


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